Corona-Krise und Gesundheitspolitik

Wie ernst ist die Corona-Gefahr?

Viele Patienten sind beunruhigt und verunsichert durch die täglichen Meldungen zur „Corona-Krise“. Die Zahl der Corona-Infizierten und Erkrankten ist in Deutschland und auch in unserer Stadt bislang überschaubar – vor allem auf Grund der großen Disziplin der allermeisten Bürger.

Die offiziellen Warnungen vor einer „Corona-Lawine“ sind deshalb kritikwürdig.


Es ist auch nicht zu akzeptieren, dass die „Corona-Krise“ zum Vorwand genommen wird, um medizinisch nicht berechtigte Einschränkungen von Grundrechten und Freiheiten durchzusetzen!

Weltweit explodiert die Coronakrise vor allem dort,

  • Wo das Gesundheitswesen ruiniert ist durch Privatisierung und Ausrichtung auf Profit

  • Wo viele Menschen unter schlechten Umweltbedingungen leben

  • Wo viele unter schwierigen sozialen Bedingungen leben – Armut, Arbeitslosigkeit, fehlende soziale Unterstützung, Krisen- und Kriegsgebiete, Flüchtlings-Camps etc.

Längerfristige Probleme und Fragen:

Viele Menschen, insbesondere Kinder, Jugendliche und Ältere werden in der Großstadt durch die Kontaktsperre erheblich eingeschränkt in ihrer Bewegung und sozialen Aktivitäten. Das belastet das Immunsystem, ebenso wie Angst, Verunsicherung, familiärer Druck und soziale Isolation. Die gesundheitlichen und sozialen Folgen einer wochenlangen Isolation von Millionen von Menschen sind massiv.

Unüberschaubar sind auch die Langzeitfolgen einer überstandenen Corona-Infektion, die vor allem das Immunsystem und die Lunge betreffen. 

Wir brauchen deshalb auch eine Diskussion darüber, wie ein zukünftig ein Gesundheitssystem und eine Gesellschaft aussehen müssen, in der Schluss gemacht wird mit Ausbeutung, Kriegen und Umweltzerstörung.

Mediziner-Plattform im Internationalistischen Bündnis
www.inter-buendnis.de


Info-Mail 10.5.20

Liebe Kollegen/innen und Freude,

Wie wichtig unsere kritischen Info-Mails sind, um uns engmaschig auszutauschen, wird
uns gerade in den letzten Wochen Tagen noch deutlicher. Es bildet sich eine breite diffuse
Protest-Bewegung gegen die Berliner Corona-Politik heraus. Viele wollen den Abbau von
demokratischen Rechten – unter dem Vorwand Gesundheitsschutz – nicht mehr
hinnehmen. Viele sehen sich zurecht von den unwissenschaftlichen und unglaubwürdigen
Verlautbarungen des RKI hinters Litcht geführt.
Einige lehnen die Kontakteinschränkungen
und Hygiene-Regeln grundsätzlich als Eingriff in ihre persönliche Freiheit ab.
Darunter mischen sich generelle „Impfgegner“ und Verbreiter von abstrusen rechten
Verschwörungstheorien.
Das Ganze wird kräftig von AFD und rechten Netzwerken auf
nationalistischen Auto-Korsos und Hygiene-Demos angeheizt, wo sich die Rechte als
Führer gegen die „Corona-Diktatur“ inszenieren kann.
Während bei den vielen ermutigenden 1. Mai-Kundgebungen die Teilnehmerzahlen drastisch eingeschränkt
wurden, konnten sich in Stuttgart-Canstatt tausende ohne Schutzmaßnahmen
versammeln.  Es ist gefährlich, wenn damit ein grundsätzlich notwendiger
gesellschaftlicher Konsens über notwendige Schutzmaßnahmen gegen eine
menschheitsgefährdende Pandemie aufgebrochen wird. Parallelen zur Corona-Politik
Trumps drängen sich auf. Wir wollen deshalb in diesem Info-Mail auch wichtige
Argumente liefern gegen die Verharmlosung der Covid-19-Pandemie.

Corona-Lockerungen: Nach der Ministerpräsidentenrunde am 6.5. erklärte Kanzlerin
Angela Merkel die erste Phase der Pandemie als beendet und verwies auch auf die
Risiken der Corona-Lockerungen: Man könne sich ein Stück Mut leisten, „aber wir müssen
vorsichtig bleiben“ – deswegen sei ein „Notfallkonzept“ für den Fall neuer Corona-
Ausbrüche auf Landkreisebene beschlossen worden.
Das Notfallkonzept wird in die
Hände der Länder, Städte und Landkreise gelegt. Diese müssen konkrete Verschärfungen
beschließen, wenn die Zahl der Neuinfektionen über 7 Tage die Grenze von 50
Neuinfizierten auf 100.000 Einwohner überschreitet.
Erste Hotspots sind in Flüchtlingsunterkünften auf Großbaustellen und Großschlachtbetrieben wie in Coesfeld
(inzwischen 190 Neuinfizierte) auszumachen, wo Arbeiter meist aus Süd-Osteuropa unter
miesesten sozialen und hygienischen Bedingungen leben und arbeiten müssen. Solange
es noch keine flächendeckenen Tests, keine verlässlichen Zahlen über die Verbreitung von
CoV-2 gibt und solange nicht gefährdete Personengruppen engmaschig getestet werden,
ist dieser „lock-out“ riskant.
Vielleicht war er auch als Vorwärtsstrategie gedacht. Das statistische Zahlenwerk des
RKI wurde in den letzten Wochen zunehmend infrage gestellt. Prominente Mediziner
wie die ehemalige „Gesundheitsweisen“ Prof. M. Schrappe und Prof. G. Glaeske oder der Pathologe Prof. K. Püschel in einem Thesenpapier hatten eine „fantasievollere Lösungskompetenz“ eingefordert, die über Kontaktsperren und soziale Isolation
hinausweise. Die Autoren gehen für die Zukunft von „einem zufälligen, ungesteuerten und
keinen linearen Mustern folgenden lokalen Auftreten von Covid 19 aus, wobei die
Gesundheitseinrichtungen besonderes betroffen sind“.
Mehr als 6500 Pflegekräften haben sich inzwischen angesteckt (s.a. Ärztezeitung 6.5.20). Professor Kekulé fordert umgehend
eine Massentestung. Wissenschaftler der Fraunhofer-, Helmholtz-, Leibniz- und Max Planck-Gesellschaften forderten am 28.4.:
1. „Hygienische Maßnahmen, wie z.B. Mundschutz in Geschäften und öffentlichen Plätzen
oder Desinfektionsstationen, um Infektionen durch unerkannte Träger zu reduzieren.

2. Testing- und Tracing-Kapazitäten, um lokale Infektionsherde früh zu erkennen, Fälle zu
isolieren, enge Kontakte von Infizierten nachzuverfolgen, vorsorglich zu quarantänisieren
und so Ansteckungsketten zu unterbrechen.

3. Adaptive Steuerung von flankierenden kontakteinschränkenden Maßnahmen, um einen
erneuten Anstieg der Neuinfektionen zu verhindern.“
Diese Widersprüche unter Medizinern weisen auf grundsätzliche Probleme und Versäumnisse auch des RKI hin. Die zahlreichen Daten und Erkenntnisse von
Medizinern und anderen Wissenschaftlern weltweit über die Pathophysiologie, die Immunologie und Therapien wurden nirgendwo richtig zusammengefasst.
Das betrifft insbesondere auch Erkenntnisse, die in China und andere ostasiatischen Ländern gewonnen werden konnten.
Das erschwert es Medizinern außerordentlich, sachgerecht zu handeln.

Wir erhielten gestern den Hinweis auf den öffentlichen „Hilferuf“ eines anonymen Intensiv-Mediziners aus Selb/Fichtelgebirge.
Er ist alarmiert durch seine negativen Erfahrungen
mit der voreiligen und viel zu frühzeitigen maschinellen Beatmung von Covid-19-
Patienten, die fast alle verstorben seien. Er berichtet über die Diskrepanz zwischen klinischen Befunden und der subjektiven Symptomtik. Wesentlich bessere Ergebnisse
seien erzielt worden mit einem „vorsichtigen“ Vorgehen: Verzicht auf Fiebersenkung, symptomatische Therapie, Antioxidantien wie Selen, Vitamin C und D.
Dieser Bericht bestätigt das Verständnis, das wir bislang über die Pathophysiologie von
Covid 19 gewinnen konnten. Ein entscheidender Faktor ist der oxidative Stress, der durch die systemische Infektion der Organe (Lunge, Herz, Magen-Darm, Nieren, Leber,
Nervensystem) vor allem über ACE-2-Rezeptoren und auch die Infektion der T-Zellen („Zytokin-Sturm“) entsteht.
Die systemische Entzündung des Gefäßendothels ist der
Grund für Thromboembolien und häufige Mikrothromben. Wichtig ist deshalb die frühzeitige, konsequente und hochdosierte antioxidative Therapie: am wichtigsten die
hochdosierte Vit. C-Therapie intravenös, s.a. letztes Info-Mail, aber auch Selen, Zink, Vit.D.
Durch Intubation, künstliche Beatmung und unnötige Sauerstofftherapie wird aber der
oxidative Stress noch erhöht – und damit die Mortalität. Man kann nur hoffen, dass bei der Entscheidung zur Beatmung von Covid-19-Patienten ökonomische Überlegungen (vielfach
höhere Fallpauschale!) keine Rolle spielen. Vor diesem Problem hat vor kurzem öffentlich der bekannte Palliativmediziner Matthias Töns aus Witten gewarnt (s.a. Interview in Rote Fahne 10/2020).

Aus Unverständnis der Pathophysiologie findet heute eine Frühtherapie praktisch gar nicht statt.  Die Infizierten werden nur nachhause in die Quarantäne geschickt werden, bis
sie die Infektion mehr oder weniger folgenlos überstehen – oder intensivpflichtig werden.
Weitgehend ignoriert wird auch eine erweiterte Labordiagnostik. Sie ist unverzichtbar, um auch bei negativem Abstrich und Serologie eine Diagnose zu stellen, den Verlauf zu
beurteilen und stadiengerecht zu therapieren.
Ohne ein tieferes Verständnis von Covid-19 wird es nicht möglich sein, die künftig zu erwartenden chronischen Verläufe, wieder auftretende Infektionen und Immunstörungen sachgerecht zu behandeln.
Wir werden auch in künftigen Info-Mails Beiträge dazu leisten und freuen uns auf weitere Hinweise und Zuschriften.

Unsicherheiten über Ausbreitung von Covid-19:
Laut Heinsberg-Studie ist die Dunkelziffer der Infizierten um das Fünffache höher als bislang vermutet, nämlich 1,8 Mio.
bei 162 000 positiv Getesteten. Das bedeutet auch, dass die Sterblichkeitsrate nur 0,37 % beträgt – gegenüber den vom RKI genannten 3-5 %! Erfasst werden aber auch nicht
infizierte Patienten, die an „Herzinfarkt“ oder Lungenembolie verstarben und nie getestet wurden.
Laut Prof. Streeck ist der verwendete serologische Elisa-Test sehr spezifisch bei nur 1 % falsch positivem Ergebnis.
Das bestätigt unsere Kritik an dem RKI herausgegebenen fragwürdigen Zahlenwerk.
Letztes Beispiel: Die im Lagebericht für die Kalenderwoche 17 genannte Zahl von 467 000 Getesteten (davon 25 000 positiv) musste kurz darauf auf 350 000 bzw. 18 000 korrigiert
werden! Insgesamt spricht vieles dafür, dass sich die Pandemie bereits im letzten Jahr in Europa (v.a. Italien) und den USA verbreitet hat.
In New York fanden sich vor kurzem bei 25 % der Bevölkerung serologisch Antikörper gegen CoV-2.
Antikörper-Tests: Die Testinfrastruktur ist immer noch absolut mangelhaft.
Nachdem die Antikörpertests, die von Dutzenden Konzernen in Konkurrenz miteinander entwickelt wurden, berechtigt in der Kritik stehen, kam prompt am 4.5. der große Fernsehauftritt von Spahn und Söder: Sie feierten sich als Gäste des Pharma-Monopols Roche mit dessen neuem Antikörpertest.
Noch in diesem Monat wird Roche laut Spahn drei Millionen
Bluttests an die Bundesrepublik liefern, zuerst an die Gesundheitseinrichtungen.
Danach soll Deutschland monatlich fünf Millionen Tests von Roche erhalten.
Für einen wirksamen Kampf gegen die Pandemie werden in der Tat geprüfte und aussagekräftige Tests
gebraucht – massenhaft und weltweit!
Dass die Tests von Roche den Ansprüchen genügen, ist noch zu beweisen.  Zu beachten ist, dass die Antikörper-Tests erst 2-3
Wochen nach der Infektion positiv werden und die Abstrich-Tests nicht ersetzen können.

Wir bitten alle Leser des Infobriefes um Mitteilung, welche Beobachtungen Ihr/Sie bei Antikörper-Tests machen, auffällig ist, dass bisher oft erhöhte IgA-Antikörper ohne Erhöhung von IgG-Antikörpern gefunden werden.

 

Kurzmeldungen:

• Ärzte wegen entzündlicher Krankheit bei Kindern beunruhigt: Der französische
Gesundheitsminister Olivier Véran zeigt sich beunruhigt über das Auftreten
entzündlicher Erkrankungen bei Kindern. Pariser Ärzte hätten ihn alarmiert, weil
etwa 15 Kinder aller Altersstufen unter Symptomen wie Fieber, Beschwerden im
Verdauungstrakt und Gefäßentzündungen litten.
Auch Entzündungen der Herzgefäße träten mitunter auf. Kurz zuvor hatte der britische Gesundheitsminister
einige derartige Fälle geschildert.  Nach Angaben der britischen
Gesundheitsbehörden nahmen in den vergangenen Tagen Erkrankungen bei
Kindern zu, die an das Kawasaki-Syndrom erinnerten (Internetausgabe der FAZ, 29.4.20)

• Remdesivir ist ein weltweit noch nicht zugelassenes Medikament, das bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie erprobt wurde und in kleineren Studien auch bei
Covid 19, wo es den Krankenhaus-Aufenhalt um einige Tage verkürzen konnte.
Fundierte wissenschaftliche Studien dazu gibt es bislang noch nicht.
Dennoch wurde es in den USA ohne die üblichen Zulassungsverfahren zugelassen und von
interessierten Kreisen in den Mittelpunkt der Diskussion gebracht.
Bei vielen Menschen werden damit Hoffnungen geweckt, aber auch die Illusion, dass der
Kampf gegen die Corona Pandemie schon halbwegs im Griff ist. Zweifellos wäre der Vertrieb eines patentierten Medikaments zur Behandlung von Covid 19 wie eine Lizenz zum Gelddrucken. So wundert es nicht, dass seit Januar 2020 die
Massenproduktion von Remdesivir vorbereitet wurde.
Der US Biotechnologie-Konzern Gilead als Hersteller von Remdesivir ist umstritten, nicht zuletzt wegen
völlig überteuerter Medikamente.  Für die große „Seriosität“ dieses Unternehmens spricht schon allein, dass seit 1997 Donald Rumsfeld Vorsitzender des Aufsichtsrat
war, bis er später Kriegsminister im Irak-Krieg wurde.
Zu wünschen wäre, dass sich Remsidivir bewährt als ein Baustein der künftigen Covid-Therapie.
Für Impfstoffe und Medikamente gegen Covid 19 darf es aber kein Patentrecht geben – sie gehören der Menschheit.

• Tübingen – Wissenschaftler der Universität Tübingen und der Universität Lübeck haben in einer Studie einen neuen Mechanismus nachgewiesen, der über den Schlaf das Immunsystem fördert. Das Team um Dr. Luciana Besedovsky und Dr. Stoyan Dimitrov vom Tübinger Institut für Medizinische Psychologie und
Verhaltensneurobiologie und Dr. Tanja Lange aus der Lübecker Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie konnte an Probanden zeigen, dass bereits nach drei Stunden ohne Schlaf die Funktion der sogenannten T-Zellen
beeinträchtigt war, der weißen Blutzellen, die für die Bekämpfung von Erregern zuständig sind.
„T-Zellen zirkulieren ständig im Blutkreislauf und suchen nach
Erregern.
Die Adhäsion an andere Zellen erlaubt ihnen dabei, im Körper zu wandern und beispielsweise an infizierte Zellen anzudocken, um sie anschließend zu beseitigen“, sagt Erstautor Stoyan Dimitrov.
Wie die Studie zeigt, war die Adhäsionsfähigkeit der T-Zellen bei den Probanden ohne Schlaf sichtlich reduziert.
Die Studie wurde im Journal of Experimental Medicine veröffentlicht.
Sie ist auch wichtig, um die Bedeutung von Schlafstörungen durch Umweltfaktoren und psychosozialen Stress für die Infektiosität und die Verlauf der Covid-19 Infektion zu
verstehen.

• Lungenschäden nach überstandener Covid 19 Infektion: Am 5.5. wurde in
WDR 3 aktuell über Lungenschäden berichtet, die bei Feuerwehr-Leuten und
Tauchern nach überstandener CoV-2-Infektion festgestellt wurden.
Es wird inzwischen gefordert, dass Menschen nach durchgemachten Infektionen bei Tätigkeiten mit Atemschutzgeräten und mit Taucherausrüstung nur noch nach entsprechenden lungenfachärztlichen Untersuchungen eingesetzt werden dürfen.
Über langfristige gesundheitliche Einschränkungen durch Covid-19 wurde im Info Mail wiederholt berichtet.

• Über den genauen Mechanismus der T-Zellen-Infektion durch CoV-2 wird in einem aktuellen Artikel in Cellular and Molecular Immunology berichtet (Xinling
Wang et al., April 2020)

• Bislang hat es das RKI versäumt, entsprechende Studien auch über die immunologischen Veränderungen nach der Infektion zu veranlassen; ebenso die Möglichkeiten geeigneter präventiver Maßnahmen und Frühtherapien zu
erforschen. 
Stattdessen wird die Bevölkerung und auch Mediziner mit diffusen Warnungen vor weiteren Covid-Pandemien im Ungewissen gelassen.

• Ulla Hedemann von der Initiative „Menschen vor Profite” berichtet empört über eine Podiumsdiskussion im Gesundheitsministerium: „Den fetten Packen von über
1.500 Seiten mit den mehr als 153.000 Unterschriften der Petition hatte ich dabei und wollte sie Gesundheitsminister Spahn übergeben… Herr Spahn ist auf keine
der Forderungen von uns Gesundheitsarbeiter*innen eingegangen.“
Das Fallpauschalensystem DRG (Diagnosis related Groups) ist zusammen mit der
Unterfinanzierung der Krankenhäuser durch die eigentlich zuständigen Bundesländer das Haupt-Folterinstrument, um Krankenhäuser profitorientiert auszurichten, zu schließen oder den privaten Klinikkonzernen in die Arme zu treiben.
https://weact.campact.de/petitions/covid-19-gesundheitsarbeiter-innenfordern-
menschen-vor-profite

• „In einer idealen Welt würden alle Länder im Kampf gegen das Corona-Virus an einem Strang ziehen.
“ So beginnt die Schweizer NZZ am 5.5.20 einen Artikel zur
Geberkonferenz der EU zur Finanzierung von Impfstoffen. Richtig ist sicherm dass
wir eintreten für eine Welt, in der es nicht mehr um Wachstum und Profite um jeden Preis geht, sondern die gemeinsame Lösung der Menschheitsprobleme auf der Agenda steht.
Die Covid-19-Pandemie gehört sicher zu diesen Problemen…

In diesem Sinn,
bleibt/bleiben Sie gesund
Ihr Günther Bittel, Willi Mast, Günter Wagner

P.S. Die bisherig mangelnde Internet-Präsentation der Info-Mails wurde von verschiedener Seite zurecht kritisiert.
Wir werden das umgehend verbessern, auch um breiteren Kreisen den Zugang zu erleichtern.

Mediziner-Plattform im Internationalistischen Bündnis
Info-Mail 3.5.2020 www.interbuendnis.de

 

Liebe Kollegen/innen und Freunde,

zunächst einmal vielen Dank für die vielfältigen Zuschriften, Berichte und Korrespondenzen, die wir in wöchentlicher Abfolge zur Info-Mail unserer Mediziner-Plattform verarbeiten. In ihnen spiegelt sich das große Bedürfnis vieler Kollegen, nicht nur aus dem medizinischen Bereich, sich angesichts der sehr komplexen Corona-bedingten Gesundheits- und gesamtgesellschaftlichen Krise unabhängig von den „mains-stream-Medien“  zu orientieren und möglichst auch selbst einen Beitrag zur Lösung zu leisten.


In den letzten Tagen gab es in vielen Städten Auseinandersetzungen wegen des Verbots von Kundgebungen und Demonstrationen zum 1. Mai. Nach der Kapitulation und dem Rückzug der DGB-Führung bildeten sich Aktionseinheiten, um die 130-jährige Tradition der weltweiten Arbeiterbewegung weiterzuführen. Oftmals mussten Gerichtsurteile bemüht werden, um das fundamentale Recht auf Versammlungsfreiheit durchzusetzen. Die diszipliniert durchgeführten Versammlungen waren auch ein wichtiger Sieg gegen eine Politik, die versucht, unter dem Vorwand von Gesundheitsschutz fundamentale Grundrechte abzubauen (s.a. www.rf-news.de)

In den letzten Tagen geriet das Krisenmanagement der Regierung stärker unter Beschuss, insbesondere die kritikwürdigen und widersprüchlichen Aussagen und Entscheidungen zur Wiederöffnung der Schulen und Kitas. Hier rächen sich die schweren Versäumnisse der letzten Jahren in der Bildungs- und Schulpolitik – mit der Folge von Personalnot, zu große Klassen und Gruppen, Raumnot und hoher Sanierungsbedarf von Kitas und Schulen etc.

Die Entscheidungen werden auch durch aktuelle Erkenntnisse erschwert, wonach Kinder- und Jugendliche in gleichem Maße wie Erwachsene mit CoV-2 infiziert werden und das Virus übertragen können. Aus verschiedenen Ländern gibt es inzwischen auch Berichte über z.T. schwer verlaufende Covid-19-Erkrankungen bei Kindern mit systemischen Entzündungen.    https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_87788922/verbindung-mit-covid-19-schwere-erkrankung-bei-kindern-nimmt-zu.html

Bei der Öffnung von Schulen und Kitas muss also nicht nur auf die strikte Einhaltung von Hygiene- und Schutzmaßnahmen geachtet werden, sondern auch grundlegende Reformen in der Schulpolitik in im Kita-Bereich eingefordert werden.

 

Verlauf der Pandemie: Im Gegensatz zum weiter  unkontrollierten Verlauf in vielen anderen Ländern ist die Pandemie in Deutschland bisher kontrolliert verlaufen. Durch  verschiedene berechtigte Maßnahmen und vor allem durch  die Disziplin und Achtsamkeit der Bevölkerung geht die Zahl der Neuinfektionen derzeit weiter zurück. Die offiziellen Daten über die Sterblichkeit liegen sicher zu hoch, weil das RKI darauf orientierte, alle „Corona-assiziierten“ Fälle zu erfassen und auf Sektionen zu verzichten. Das stößt zurecht auch unter Pathologen auf Unverständnis, zumal wir dringend ein besseren Verständnis der neuartigen Krankheit benötigen.

Das Auftreten von hot-spots muss ernst genommen werden. Das Dt. Ärzteblatt 18/2020 berichtet über Cluster von infizierten Krankenhaus-Beschäftigten, z.B. am Klinikum in Wolfsburg, aktuell im Ernst-Bergmann-Klinikum in Podsdam mit 174 (!) erkrankten Mitarbeitern. Auf diese Weise können Gesundheitseinrichtungen zu einem Teil des Problems werden – anstatt zu einem Teil der Lösung. Der Zuwachs an neu Infizierten ging in der letzten Woche zu 43 % auf Patienten und Mitarbeitern in medizinischen Einrichtungen und anderen Einrichtungen zurück.

Ein Corona-Hotspot bildet sich auch unter den türkischen Bauarbeitern heraus, die zu Hungerlöhnen unter inakzeptablen sozialen Bedingungen am Bauprojekt Stuttgart 21 beschäftigt werden. Am 22.4. berichtete SWR über 19 infizierte Bauarbeiter, 43 in sogenannten Schutzunterkünften, 90 in Quarantäne.

Durch eine verantwortungslose Politik sind auch mehrere Flüchtlingssammelunterkünfte zu Hot-spots geworden, z.B. in Bremen oder Ellwangen, wo über 300 Flüchtlinge, also zwei Drittel aller Bewohner inzwischen infiziert sind. Zurecht fordern Flüchtlingsinitiativen die sofortige Auflösung derartiger Einrichtungen (www.rf-news.de). Über eine Solidaritätsaktion mit den Flüchtlingen in Moria/Lesbos/Griechenland wird auf www.solididaritaet-international.de berichtet. Die unhaltbaren Zustände stehen in denkwürdigem Gegensatz zu den täglichen Beteuerungen von Politikern, dass der Gesundheitsschutz aller Bürger in der Corona-Krise an oberster Stelle steht. 

Ein erbitterter kapitalistischer Konkurrenzkampf ist um die Entwicklung von Impfstoffen entbrannt. Die Zahl der Impfstoffprojekte explodiert. Innerhalb weniger Wochen stieg die Anzahl der durch die WHO erfassten Impfstoffprojekte auf über 100. Die verschiedenen Firmen setzen auf drei unterschiedliche Strategien (Lebendimpfstoffe mit Vektorviren; Totimpfstoffe mit Virusprotein oder genbasierte Impfstoffe in Form von mRNA- und DNA). Fünf haben die Etappe der Erprobung in Tieren erreicht, 10 beginnen mit der Anwendung an Freiwilligen. Vor wenigen Tagen hat das Paul-Ehrlich-Institut erstmals die klinische Prüfung eines Covid-19-Impfstoffs genehmigt.

Hoffnungsvoll erscheint ein in China entwickelter experimenteller Tot-Impfstoff gegen SARS-CoV-2, mit dem Rhesus-Affen als Modell-Tier wirksam geschützt wurden, lt. Forscher um Qiang Gao vom staatlichen Unternehmen Sinovac, s.a. „Biorxiv“ (online 19. April). Gravierende Nebenwirkungen der Impfung wurden nicht registriert, wie etwa Komplikationen durch infektionsverstärkende Antikörper (ADE) oder die bei COVID-19 gefürchteten immunpathologischen Exazerbationen („Zytokin-Sturm“ durch exzessive T-Zell-Reaktionen). Aufgrund der positiven Ergebnisse sollen jetzt klinische Studien mit dem Impfstoff beginnen.

Die Erforschung von Impfstoffen und Therapien erfordert eine bisher nie gekannte weltweite Kooperation von Wissenschaftlern, die sich über den Konkurrenzkampf von Pharma-Monopolen um milliardenschwere Patente und Absatzmärkte hinwegsetzen muss – was letztlich die Überwindung einer Profitorientierten ) Gesellschaftordnung erfordert. 

Bemerkenswert ist, dass vor wenigen Tagen die G20 eine gemeinsame Initiative beschlossen hat, um einen Impfstoff für alle Menschen herzustellen. Bundeskanzlerin Merkel hat gemeinsam mit der Präsidentin der EU-Kommission von der Leyen zu einer online-Geberkonferenz eingeladen, um die dafür erforderlichen 8 Mrd. € aufzubringen. Der Impfstoff müsse allen Menschen weltweit zustehen, mögliche Therapien „möglichst vielen Menschen“. Offensichtlich neigen inzwischen einige Repäsentanten führender imperialistischer Länder – im Gegensatz zu D. Trump – angesichts der tiefen Krise jetzt doch zu einem gemeinsamen Vorgehen…

 

Hochdosiertes Vitamin C zur Prävention und Behandlung von Covid-19

Zwei Meldungen aus China Anfang letzten Monat ließen aufhorchen: dort haben Ärzte Covid-19-Patienten in kritischen Zustand mit hochdosiertem, intravenös injiziertem Vitamin C geheilt. Leider wurde darüber bis jetzt in den hiesigen Medien wenig oder nichts berichtet. Die erste Meldung kommt aus Shanghai. Dort hat das von der Shanghai Medical Association gehostete Netzwerk Chinese Journal of Infectious Diseases am 1. März 2020 einen Bericht mit Empfehlungen zur Behandlung von Covid-19-Patienten herausgegeben, in dem unter anderem die Therapie mit hochdosiertem, intravenös verabreichten Vitamin C offiziell empfohlen wird. Die Dosis wird mit 50 bis 100 mg pro kg Körpergewicht pro Tag für leichte und normale Fälle angegeben, für schwerere Fälle sogar Dosen von 100 bis 200 mg pro kg Körpergewicht pro Tag. Das entspricht ungefähr 4 bis 16 Gramm pro Tag für einen Erwachsenen.

Die zweite Meldung aus China ist eine offizielle Erklärung des Second Affiliated Hospital of Xi’an Jiaotong University (Xibei Hospital) in der Provinz Shaanxi vom 21.2.20:

Am Nachmittag des 20. Februar 2020 wurden weitere 4 Patienten mit schwerer neuer Corona-Pneumonie aus der C10 West-Abteilung des chinesisch-französischen New City Campus des Tongji-Krankenhauses entlassen (…). Heute wurden 8 Patienten aus dem Krankenhaus entlassen.

Nach 10 Tagen praktischer Untersuchung durch das medizinische Team und wiederholten Diskussionen schlug unsere Expertengruppe einen spezifischen Plan für die Kombination von hochdosiertem Vitamin C zur Behandlung des neuen Coronavirus vor und erzielte gute Ergebnisse bei der klinischen Anwendung. (…) Wir glauben, dass bei Patienten mit schwerer und kritischer neuer Lungenentzündung die Vitamin C-Behandlung so bald wie möglich nach der Aufnahme eingeleitet werden sollte. Dies liegt daran, dass die Haupttodesursache das kardiopulmonale Versagen ist, das durch erhöhten akuten oxidativen Stress verursacht wird. (…) Wenn das Virus erhöhten oxidativen Stress und erhöhte Kapillarpermeabilität verursacht, kann die frühzeitige Anwendung großer Dosen Vitamin C eine starke antioxidative Rolle spielen, Entzündungen reduzieren und die Endothelfunktion verbessern. (…) Eine große Anzahl von Studien hat gezeigt, dass die Dosis von Vitamin C einen großen Zusammenhang mit der therapeutischen Wirkung hat. Unsere bisherigen erfolgreichen Erfahrungen (…) zeigen, dass hochdosiertes Vitamin C nicht nur den antiviralen Spiegel verbessern, sondern vor allem akute Lungenverletzungen (ALI) und akute Atemnot (ARDS) verhindern und behandeln kann.“ www.pressenza.com/de/2020/04/hochdosiertes-vitamin-c-zur-praevention-und-behandlung-von-covid-19/

 

Photodynamische Therapie (PDT) als Therapie bei Covid 19: Wissenschaftler der Marburger Universität und der THM in Gießen setzen auf die Behandlung mit der photodynamischen Therapie, die  sich seit längerem in der Therapie anderer Viruserkrankungen als erfolgreich erwiesen hat, s.a. frühere Info-Mails der Mediziner-Plattform. Die Ignoranz von Virologen des RKI gegenüber diesem erfolgversprechenden Verfahren ist erstaunlich. Wiederholte Anfragen auch von unserer Seite blieben unbeantwortet.

Besonders ärgerlich finden es die Wissenschaftler aus Marburg und Gießen, dass sie bereits seit Wochen auf die Möglichkeit hingewiesen hätten und dass jetzt amerikanische Wissenschaftler dies veröffentlichten und diese Errungenschaft für sich in Anspruch nehmen würden. Vor einigen Tagen erschien ein Artikel in einer amerikanischen Fachzeitschrift, der genau diesen Prozess beschreibt, erläutert Wojcik und ergänzt: „Wir hoffen, dass wir schnell die Chance einer Erprobung erhalten, um so möglichst vielen Patienten zu helfen.   https://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/wissenschaftler-aus-marburg-und-giessen-setzen-auf-photodynamische-therapie-bei-corona_21602113

CoV-2 infiziert Lymphozyten:

In einem wichtigen Fachartikel beschreiben chinesische Wissenschaftler detailliert, wie CoV-2 Lymphzellen, Schaltzentrallen des Immunsystems, infiziert. https://doi.org/10.1038/s41423-020-0424-9. Daraus lassen sich die Störungen des Immunsystems auch nach überstandener Erstinfektion erklären – wie z.B. die mangelnde Bildung von Gedächtniszellen oder die unzureichende Produktion von dauerhaft schützenden Antikörpern etc.

Nach Überwindung der akuten Infektion gibt es also nicht nur das Problem einer mehr oder weniger häufigen und ausgeprägten systemischen Entzündung – auf Grund der Infektion von verschiedenen Organen und des Gefäß-Endothels über den ACE-2-Rezeptor und weitere Eintrittsmechanismen. Sondern auch eine möglicherweise bleibende immunologische Störung. Funktionell hat also Covid 19 durchaus Gemeinsamkeiten mit HIV bei unvergleichbar höherer Infektiosität – auch wenn es nur verschwindend wenige genetische Gemeinsamkeiten gibt.
Individuelle genetische Faktoren, Umweltbelastungen und die immunologische Ausgangssituation spielen sicher eine wesentliche Rolle, ob die Infektion überwunden wird und wie schwer der Krankheitsverlauf ist.

 

Kurzmeldungen:
• Selenmangel als Risikofaktor: Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Selen in der Prävention von COVID-19 Bedeutung hat: Der in unserer Region häufig vorkommende Mangel des Spurenelements erhöht die Mutationsrate und Virulenz von Viren, stärkt oxydative Prozesse und schwächt das Immunsystem (entsprechende Literaturhinweise über die Fa. Biosyn)
• Das Virostatikum Remdesivir des Gilead-Konzerns nützt COVID-19-Patienten offenbar doch. Nach enttäuschenden Ergebnissen aus einer chinesischen Studie hat jetzt das US-„Institute for Allergy and Infectious Diseases“ (NIAID) vorläufige erste positive Ergebnisse des „Adaptive COVID-19 Treatment Trial“ (ACTT) zu dem Medikament mitgeteilt. Die Studiendaten sind allerdings bisher noch nicht publiziert (Ärztezeitung 30.4.)
• Avi Schiffmann ist 17 Jahre alt, lebt in Mercer Island bei Seattle (USA), absolvierte die Highschool – und hat die beste Infoseite zur Corona-Pandemie weltweit gebaut! Wer dieser Tage die aktuellsten Zahlen über Ansteckungen, Sterblichkeitsraten, Menschen, die wieder gesund geworden sind etc. weltweit sucht, der kommt an https://ncov2019.live/ nicht vorbei. Die Seite wird minütlich aktualisiert. Avis Software liest sich durch die wichtigsten Info-Seiten weltweit, gleicht die Zahlen mit anderen Quellen ab und veröffentlicht sie dann. Über seine Motivation sagt Avi Schiffmann: „Ich will die Welt verändern!“
• Die chronische Umweltkrise tritt wieder vermehrt ins Blickfeld und verschärft sich, Trockenheit, Dürre, Waldbrände und beschleunigte Eisschmelze rufen drastisch in Erinnerung, dass hier die Existenz der Menschheit unverändert auf dem Spiel steht. Die chronische Umweltkrise ist auch eine Hauptursache der Pandemie: Umweltverschmutzung, zusammengeballtes Leben in Megacities und Slums, Hunger, Fehlernährung, unhygienische Verhältnisse schwächen das menschliche Immunsystem und bahnen der Pandemie den Weg. Eine aktuelle Studie ( des Harvard T.H. Chan School of Public Health belegt, dass eine Zunahme von 1µg/m3 Feinstaub (PM2,5) mit einer 15%-igen Zunahme der Sterblichkeit bei Covid-19-Erkrankten einherging. (https://projects.iq.harvard.edu/covid-pm)

Soweit für heute. Bleibt/Bleiben Sie gesund!
solidarische und herzliche Grüße

Günther Bittel, Willi Mast und Günter Wagner

Infomail 26.4.20 www.inter-buendnis.de

Von Willi Mast

Liebe Kollegen/innen und Freunde,
sich in „Corona-Zeiten“ richtig zu orientieren und zu positionieren, ist eine große aber auch lohnende Herausforderung. Mit der heutigen Info-Mail verarbeiten wir wieder viele Meldungen, Berichte und Analysen. Herzlichen Dank an den wachsenden Kreis von Mitarbeitern, Lesern und Verbreitern unserer Info-Mail. Sehr erfreulich ist, dass es in der Zwischenzeit Kontaktwünsche zu unserer Plattform aus Italien und Afghanistan gibt. Es könnte der Keim für eine internationale Plattform werden. Wir haben Rückmeldungen von Aktivisten aus Großbetrieben, dass sie mit dem Programm unserer Plattform dort gut arbeiten können und dass es bei den Kollegen auf Interesse stösst.

Trotz einer immer noch hohen Zustimmung für das Krisenmangagement wächst die Kritik an verschiedenen medizinisch nicht gerechtfertigten Einschränkungen von Grundrechten wie der Versammlungsfreiheit. In verschiedenen Städten konnte das Recht auf Protestaktionen  durchgesetzt werden, wie in Münster gegen Atom-Transporte oder eine Montags-Demonstration in Leipzig. In einer Reihe von Städten haben sich Bündnisse gebildet, um 1. Mai-Kundgebungen durchzuführen unter Einhaltung der notwendigen Regeln (s.a. www.rf-news). Es wäre schön, wenn Ihr auch über die Plattform Eure Erfahrungen teilt, gerade auch, was die Forderungen und Vorbereitung im Gesundheitswesen angeht. Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht, andere auf unsere Plattform und das Internationalistische Bündnis anzusprechen?

Zu begrüßen ist die zunehmende Pflicht, eine Maske zu tragen. Das hätte von Anfang an verpflichtend eingeführt werden müssen, und zwar überall: Schule, Geschäfte, Arbeitsplatz, ÖPNV usw., Ausnahme im Freien z.B. in Parks, wo ein Abstand von 2 Meter eingehalten werden kann. Bei Einhaltung der Abstandsregel und Maske muss das Ansammlungsverbot sofort aufgehoben werden. Die Leute müssen raus ins Freie. Das
stärkt das Immunsystem. Insgesamt verschärft sich der Streit um die richtige Exitstrategie und insbesondere die schrittweise Schulöffnungen. Wir meinen: Allgemein ist die schrittweise  Öffnung von Schulen und Kitas richtig – allerdings müssen die entsprechenden hygienischen, räumlichen und personellen Bedingungen erfüllt werden. Es ist nicht zu akzeptieren, dass die Kinder und Schüler heute die Folgen der jahrelangen verfehlten Schulpolitik mit einem erhöhten Infektionsrisiko auszubaden haben.

Ein Skandal ist, dass in Deutschland am Donnerstag Abend von 31.885 Intensivbetten 12.686 frei waren, bei weiterhin großer Not in Spanien, Italien und Frankreich. 28.766 (20%) der positiv Getesteten sind Mitarbeiter oder Bewohner von medizinischen Einrichtungen (Krankenhäuser, Arztpraxen usw.), Gemeinschaftseinrichtungen (Pflegeheime, Unterkünfte für Flüchtlinge, usw.) . Auf das Gesundheitswesen entfallen 7682 positive Fälle (davon 72% Frauen), 33 mussten stationär, 18 sind gestorben. Einen Hotspot gab es im Klinikum Essen, Strahlenklinik: 23 Mitarbeiter und 15 Patienten. Dort wurde keine Schutzkleidung getragen. Die Pflegeheime sind weiterhin unzureichend mit
Schutzmaterialien ausgestattet, ebenso viele Arztpraxen.

Im Gesundheitswesen gibt es Proteste gegen unzureichenden Schutz, teilweise Kurzarbeit bei gleichzeitigen ultralangen Schichten. Der Personalrat der Essener Uniklinik lehnt die Einführung von 12,5-Stunden-Schichten während der Pandemie ab und fordert eine Reihe von Maßnahmen  zum Schutz der Beschäftigten.

Das Zentrum der Pandemie liegt inzwischen in den USA. Nach der Zahl der infiziert Getesteten verlangsamt sich der Anstieg in USA und auch Europa. Der Anstieg in USA ist weiterhin höher als in Europa. Beim Anstieg der Toten ergibt sich die gleiche, leicht rückläufige Tendenz.

Unklar bleibt weiterhin die Entwicklung in weiten Teilen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Menschen in den Townships in Südafrika werden aber brutal von der Abriegelung getroffen, verlieren ihre letzten Einkommensquellen und sind dem Hunger preis gegeben, was zum Teil zu richtigen Hungeraufständen führt. Allein der Rückgang beim Verkauf kenianischer Blumen bedroht 150 000 Arbeiterinnen mit Arbeitslosigkeit.
Afrikas Exporterlöse könnten laut der UN-Kommission für Afrika um 100 Milliarden Dollar zurückgehen, während Investoren bereits Kapital in Höhe von 90 Milliarden Dollar aus dem globalen Süden abgezogen haben. Das geht mit einer Abwertung der Währungen und einem massiven Schrumpfen der Devisenreserven einher (https://www.fr.de/meinung/corona-krise-afrika-schuldenfalle-entlastung-13667289.html).

„Bereits heute entbrennt ein kapitalistischer Konkurrenzkampf um Impfstoffe und Testsysteme. Die Zahl der Impfstoffprojekte explodiert. Innerhalb weniger Wochen stieg die Anzahl der durch die WHO erfassten Impfstoffprojekte bis Mitte April auf 77. Die verschiedenen Firmen setzen auf drei unterschiedliche Strategien  Lebendimpfstoffe mit Vektorviren; Totimpfstoffe mit Virusprotein oder genbasierte Impfstoffe in Form von mRNA-2 und DNA). Fünf haben die Etappe der Erprobung in Tieren erreicht, 10 beginnen die Anwendung an Freiwilligen Führende Pharma-Konzerne in der Impfstoffforschung gehen länderübergreifende Allianzen ein mit öffentlichen Instituten und Startup-Firmen, um möglichst schnell als Erste am Markt zu sein und sich eine Weltmarktführerschaft zu sichern…
Inzwischen haben alle großen Konzerne im Diagnostik-Geschäft Tests oder Schnelltests zum Virusnachweis (PCR-Testung) und zur Antikörperbestimmung z.T. mit „Notfall-Zulassung“ der US-Gesundheitsbehörde FDA, zügig auf den Markt gebracht oder stehen kurz davor. Sie wollen sich möglichst schnell einen großen Anteil an dem wachsenden Kuchen sichern. Mit den verschiedenen Tests können innerhalb von 13 Minuten bis dreieinhalb Stunden Tests im großen Stil durchgeführt werden. Die Tests von Abbott (USA), Cepheid (USA), Perkin-Elmer (USA) Siemens (BRD), Bosch (BRD) und Roche (Schweiz) binden die Labore über das Test-Design an ihre Testgeräte und schränken daher die Verbreitung wieder ein. Das Vorgehen garantiert ihnen aber dafür Maximalprofite.

Im Interesse der Weltbevölkerung müsste man die Kräfte weltweit zu einer gemeinsamen Strategie bündeln und nicht in konkurrierende Projekte zersplittern. Der im Kapitalismus gesetzmäßige Zwang zu Maximalprofit ist Triebkraft für diesen Machtkampf. Damit wird eine globale Lösung zur Schaffung eines Impfstoffes und einer einheitlichen Teststrategie erheblich erschwert und verzögert. Wie in vielen Fragen erweist sich das imperialistische Profitsystem als Haupthindernis zur Lösung der brennenden Fragen der Menschheit“ (Zuschrift Dr. Detlef Rohm, Diplombiologe)

Das Paul-Ehrlich-Institut gab jetzt die erste Anwendung einer CoV2-Impfung am Menschen in Deutschland als Phase II-Studie für die Firma Biontech frei. Das Prinzip einer Impfung mit mRNA ist relativ neu. Es wäre gut, wenn wir hierzu für die Plattform kompetente Beiträge bekommen.

Inzwischen rückt die chronische Umweltkrise wieder vermehrt ins Blickfeld, da objektive Verschärfungen vor allem in Form von Trockenheit, Dürre, Waldbrände, Missernten, Wassermangel, Heuschreckenplagen wie in Afrika deutlich erkennbar werden. Vermehrt wird auch der Zusammenhang zwischen  Umweltbelastung und Pandemie diskutiert, allerdings auch mit einem falschen Zungenschlag, das CoV2 zu verharmlosen und das Problem nur noch in der Umweltbelastung zu sehen. Im Diskussionsforum auf rf-news kann man an dieser Debatte teilnehmen.

Rund um den Katastrophenreaktor in Tschernobyl sind in den letzten Tagen bereits mehr als 11500 Hektar Wald und Busch verbrannt, der Brand ist noch nicht unter Kontrolle. Die radioaktive Rauchwolke wurde mit Ostwind auch bis Deutschland getragen, der Fallout führt ebenfalls zur Belastung des Immunsystems. Das ist ein makabrer Beigeschmack zum heutigen Jahrestag des Tschernobyl-SuperGAUs vor 34 Jahren. Umweltverschmutzung, zusammengeballtes Leben in Megacities und Slums, Hunger, Fehlernährung, unhygienische Verhältnisse schwächen das menschliche Immunsystem und bahnen der Pandemie den Weg. Eine aktuelle Studie des Harvard T.H. Chan School of Public Health belegt, dass eine Zunahme von 1μg/m3 Feinstaub (PM2,5) mit einer 15%-igen Zunahme der Sterblichkeit bei Covid-19-Erkrankten einherging. (https://projects.iq.harvard.edu/covid-pm)

Die Diskussion um einen möglichen künstlichen Ursprung des CoV-2 (s.a. Anfrage an das RKI, Info-Mail der Mediziner-Plattform 19.4.20) hat sich in den letzten Tagen verschärft – nicht zuletzt durch ein Interview von Luc Montagnier, Mitentdecker des HIV und Nobelpreisträger 2008), das von verschiedener Seite inzwischen heftig kritisiert wird. https://www.heise.de/tp/features/pLai3-envLuc2-Wurde-mit-HIV-Pseudovirus-das-Coronavirusfuer-den-Menschen-gefaehrlich-4705632.html

Gleichzeitig eskaliert der Streit der US-Regierung und der chinesischen Regierung in Richtung einer psychologischen Kriegsvorbereitung. Trump wirft der chinesischen Regierung vor, verantwortlich für das Freisetzen des „kommunistischen Wuhan-Virus“ zu sein und droht Schadenersatzklagen für die Pandemie an. Chinesische Regierungsvertreter kontern mit dem Vorwurf, das Virus sei bereits früher in den USA aufgetreten und könnte von den 280 US-Soldaten eingeschleppt worden sein, die an den World Military Games vom 18. bis 27. Oktober in Wuhan teilgenommen haben. Uns als Mediziner-Plattform erscheint es in dieser Situation wichtig, sich nicht an diversen Spekulationen und Verschwörungstheorien zu beteiligen, wie sie auch von rechten Netzwerken verbreitet werden. Unstrittig dokumentiert sind aber wissenschaftliche Publikationen, wonach über Jahre hinweg in Hochsicherheitslabors fragwürdige Experimente mit Corona und anderen hochpathogenen Viren durchgeführt wurden, bis 2015 auch in Kooperation von US-amerikanischen und chinesischen Forschern. Eine Konsequenz der Corona-Krise muss sein, dass eine lückenlose Offenlegung und internationale Kontrolle derartiger potentieller Biowaffen-Forschung unverzichtbar ist.

Ebenso dass der Widerstand gegen die Rüstungsexporte, Kriegsvorbereitungen und Kriege in aller Welt entschieden verstärkt werden muss. ABC-Waffen müssen verboten werden. Wir unterstützen den Protest der Ärzteorganisation IPPNW gegen den von der Bundesregierung geplanten Kauf von 45 Kampfflugzeugen – als künftige Trägersysteme für die US-Atomwaffen in Deutschland. „Während wir Ärzte und Ärztinnen versuchen, Leben zu retten, entscheidet die Verteidigungsministerin im Alleingang ein Trägersystem für eine Massenvernichtungswaffe zu kaufen“, so Dr. Alex Rosen, Vorsitzender der IPPNW in Deutschland (Spiegel 20.4.20)

Bedeutend für das Verständnis von CoV-2 und der Covid-19-Erkrankung und ihrer längerfristigen Folgen ist eine genauere Analyse der Pathophysiologie (s.a. unser letztes Info-Mail). Leider gibt es dazu vonseiten des RKI, aber auch in Fachzeitungen bislang noch keine befriedigende Zusammenfassung der oft widersprüchlichen Aspekte und Teilerkenntnisse. Von einem Leser und Mitarbeiter unserer Info-Mail liegt uns jetzt ein wertvoller Diskussionsbeitrag zum aktuellen Erkenntnisstand vor. Am Schluss des Textes heißt es:

„Das Virus umgeht die Bildung von Antikörpern und Gedächtniszellen und kann in den meisten Fällen nicht durch Antikörper therapiert werden. Wir müssen nur nach Asien schauen. Aktuell sind >3000 Menschen 70 Tage nach der Infektion mit dem Virus neu oder immer noch infiziert… Eine kurze Zusammenfassung: Das Virus geht auf ACE-2- Rezeptoren, CD147und GRP 78. Es bindet an Herz, Lungen, Nieren, Endothel, Pankreas, Magen-Darm, Sustentacullum-Zellen, Makrophagen und T-Zellen – wobei letzteres evtl. für den „Zytokin-Sturm“ verantwortlich ist. Es scheint durch Endothelzellbindung Mikrothromben zu erzeugen. Es bleibt die Frage offen, ob Antikörper einen positiven Effekt auf das Outcome haben oder sogar einen negativen (antibody-dependent enhancement, ADC, wie z.B. beim Dengue-Fieber).“

(Welche Symptome die SARS-CoV-2-Infektion zeigt und welche immunologischen Störungen dabei auftreten, wird aktuell noch verarbeitet).

Kurzmeldungen:

  • Die Langzeitfolgen der Corona-Infektion sollen in einer Corona-Biobank des Uni-Klinikums Schleswig-Holstein untersucht werden. Dazu Prof. J. Thiery: „Wir wissen, das Covid -19 eine Systemkrankheit ist, es mehren sich Berichte  beispielsweise zu neurologischen Störungen und Schädigungen des Herzens. Über die Ursachen und die Bekämpfung dieser Folgeschäden wissen wir praktisch noch nichts… Die überschießende Entzündung verursacht bei manchen Corona Patienten schwere Schäden der inneren Aderhaut, die Mikrogerinsel auslösen könnten, auch Blutdruckregulation und Leber sind betroffen…“ (Spiegel 17/20)

  • Antikörperreiches Blutplasma gilt inzwischen als vielversprechender Therapie-Ansatz bei schwer erkrankten COVID-19 Patienten. Über positive Erfahrung in China wird im Ärzteblatt 16/2020 berichtet. An mehreren Uni-Kliniken Deutschlands, wie z.B. in Erlangen wird diese Therapie inzwischen angewendet. Auf die Möglichkeit der passiven Immunisierung wurde bereits vor 6 Wochen in unserer Info-Mail hingewiesen – vor Bekanntwerden dieser Ergebnisse.

  • Seuchenbekämpfung in Rußland: Während sich Putin mit fragwürdigen militärisch-medizinischen Hilfslieferungen an Italien zu profilieren sucht, zeigt sein eigenes Krisenmanagement und das Gesundheitssystem in Rußland graviende Lücken im Kampf gegen Covid-19. In einem Bericht der Jungen Welt vom 18.4.20 wird über den engen Zusammenhang mit dem Abbau des öffentlichen Gesundheitssystems, Bettenabbau etc. berichtet. Durch die „Optimierung des Gesundheitssektors“ ist bereits zwischen 1990 und 2018 die Sterblichkeitsrate durch Infektionskrankheiten von 0,36 auf 0,82 %, also auf mehr als das Doppelte gestiegen.

  • Die Zahl der Corona-Infizierten in New York ist offenbar viel höher als bisher angenommen. Bei eine groß angelegten Studie wurden bei 21 % der New Yorker Antikörper gegen das Virus nachgewiesen. Damit werden Fragen aufgeworfen: wie lange CoV-2 in den USA bereits endemisch ist, welche Antikörper hier getestet wurden, und inwieweit die Tests im internationalen Maßstab vergleichbar sind.

  • Interessante Informationen gibt es über die Bekämpfung der Covid19-Pandemie in Kuba. Neben den Maßnahmen zur Eindämmung der Kontakte wird über sehr frühzeitige Therapiemaßnahmen berichtet. Zum Einsatz kommen Interferon Alpha 2b intranasal, Biomodulina-T, Hyperimmunplasma, Chloroquin und antivirale Substanzen. http://de.granma.cu/cuba/2020-04-24/zeit-gewinnen-gegen-covid-19. Acht Schweizer NGO protestieren inzwischen gegen die blockierten Lieferungen von Beatmungsgeräten nach Kuba durch Schweizer Firmen, die sich dabei auf die verhängten US-Sanktionen berufen.

  • Wissenschaftler der TH Zürich haben einen optischen Biosensor entwickelt, mit dem CoV2 in der Luft gemessen werden kann. Mit den Antikörper-Tests gibt es weiter Chaos in den Fragen Bereitstellung notwendiger Reagenzien, Kostenübernahme und Aussagekraft der Tests.

Herzliche Grüße und alles Gute wünschen
Willi Mast, Günter Wagner und Günther Bittel

 

Infomail 19.4.20 www.inter-buendnis.de

Von Willi Mast

Liebe Kollegen/innen und Freunde,

vielen Dank an alle, die weiterhin mit Zuschriften, Artikeln und Hinweisen die Info-Mail der Mediziner-Plattform unterstützen. Wir stellen uns die schwierige, aber auch lohnende Aufgabe, angesichts der sehr komplexen medizinischen, gesundheits- und gesellschaftspolitischen Probleme der „Corona-Krise“ und der allseitigen Krise des kapitalistischen Systems einen Beitrag zur Orientierung und Organisierung zu leisten

Gegenwärtig verschärft sich unter Politikern, aber auch unter Virologen die Auseinandersetzung um eine Exitstrategie aus dem sogenannten „shut down“. Die Regierungsbeschlüsse vom 15.4. werden breit und kontrovers diskutiert. Offensichtlich versuchen verschiedene Regierungen, die Angst und Verunsicherung zu nutzen, um unter dem Vorwand des Gesundheitsschutzes grundlegende demokratische Rechte und Freiheiten abzubauen. So haben Länder wie Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Saarland ein totales Demonstrationsverbot erlassen, was selbst von Verfassungsrechtlern kritisiert wird. Eine Solidaritäts-Bekundung mit den Flüchtlingen auf den griechischen Inseln wurde in Frankfurt von der Polizei gewaltsam aufgelöst – trotz Einhaltung aller Schutzmaßnahmen. Nachdem die DGB-Führung alle Kundgebungen zum 1. Mai abgesagt hat, gibt es Initiativen, diesen Beschluss wieder zurückzunehmen bzw. 1.Mai-Aktionen in Bündnissen durchzuführen (www.rf-news.de, Diskussionsforum Coronakrise = Kapitalismuskrise?)

Wir meinen: Eine schrittweise Wiederbelebung des öffentlichen Lebens ist sofort möglich und nötig – bei gleichzeitiger Verstärkung des Gesundheitsschutzes.

  1. Dazu müssen die notwendigen medizinischen und hygienischen Maßnahmen sofort ausgeweitet und weiter ergriffen werden: Einhalten der Abstandsregel von 1,5 bis 2 Metern; flächendeckende Testung; kostenlose Mund-Nase-Schutzmasken für alle, die außerhalb der Wohnung konsequent getragen werden müssen.

  2. Für einen kämpferischen 1. Mai! Sofortige Aufhebung des Versammlungsverbotes für Gewerkschaften sowie für demokratische Parteien, Vereine, Selbstorganisationen, Bündnisse und religiöse Vereinigungen unter strikter Einhaltung aller notwendigen Hygiene- und Schutzmaßnahmen!

  3. Stufenweises Hochfahren der Schulen, Universitäten und Kitas nach Schaffung der hygienischen Voraussetzungen in kleinen Gruppen, umgehende Neueinstellungen im ganzen Erziehungswesen!

  4. ÖPNV: die Taktzeiten müssen so intensiviert werden, damit die Abstandsregel eingehalten werden kann; besonderer Schutz der Busfahrer durch FFP-Masken.

  5. Schrittweise Geschäfte, Betriebe, Museen, Bibliotheken, Restaurants öffnen, wenn sie die Abstandsregel und Hygienemaßnahmen einhalten können.

  6. Besondere Schutzmaßnahmen in Krankenhäusern, in Alten- und Pflegeheimen für die Bewohner und das Pflegepersonal, ausreichende Schutzartikel und regelmäßige Testung. Massenhafte Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze.

  7. Routinetests für Beschäftigte in Kliniken und Heimen 2x pro Woche. Der Regierungs-Erlass zur Verlängerung der Schichten auf 12 Stunden und Kürzung der Ruhezeit dazwischen auf 9 Stunden muss umgehend wieder zurückgenommen werden!

  8. Besonderer Schutz für Risikopatienten (Ältere und im Immunsystem Geschwächte), die kostenlos mit FFP-Masken ausgestattet werden und diese in der Öffentlichkeit tragen sollen, soweit gesundheitlich möglich. Massenproduktion und kostenlose Ausgabe sämtlicher Schutzartikel.

  9. Sofortige Auflösung der „Ankerzentren“, Landesaufnahmestellen und dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge. Ernsthafter Beitrag Deutschlands zur Auflösung der Lager auf den griechischen Inseln.

  10. Industriebetriebe, die Abstandsgebot und Hygienemaßnahmen nicht einhalten (können), müssen geschlossen bleiben bzw. geschlossen werden – bei vollem Lohnausgleich. Besonderer Schutz für die Arbeiter. Monopole müssen zahlen, kleine und mittlere Betriebe müssen unterstützt werden. Betriebe, die die Vorschriften nicht einhalten, müssen sanktioniert werden.

Der Rückgang der Neuinfektionen ist noch relativ labil – erfreulich ist, dass der befürchtete Ansturm auf die Krankenhäusern und Intensivstationen nicht stattfand. Erhebliche Unsicherheiten ergeben sich allerdings

  • aus der völlig ungenügenden Datenlage über die Zahl der bereits Infizierten und „hot-spots“ der Pandemie, nur 2,16 % der Bevölkerung wurden bisher getestet.

  • und aus einem unzureichenden Verständnis der Pathophysiologie von Covid-19 und deren langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen

Ein junger Kollege schickte uns eine sehr interessante, mit zahlreichen Quellen versehene Zusammenfassung zur Pathophysiologie von Sars-CoV 2, die wir auszugsweise zitieren:

„Sars-CoV2 gelangt nach den aktuellen Erkenntnissen über ACE 21, Furin2, GRP 783 und CD 1474 Rezeptoren in die Zielzelle. Über das S-Spike dockt das Virus an den ACE-2-Rezeptor ähnlich dem SARS-CoV (2003), nur mit einer wesentlich höheren Affinität. Die Entschlüsselung des Genoms zeigt eine, bisher in keinem weiteren Coronavirus nachgewiesene und somit neue Proteinsequenz (RRAR), eine sog. Furin-Cleavage-Side. Furin kommt ubiquitär im Körper vor und verarbeitet calciumabhängig Vorläuferproteine wie das Proalbumin zu ihren biologischen aktiven Gruppen, in unserem Beispiel das Albumin. Es handelt sich um eine Protease. Gleichzeitig ist es verantwortlich für die Aufrechterhaltung der peripheren Immuntoleranz. Es ist beteiligt am Gedächtnis unseres Immunsystems. Die Furin-Cleavage-Site zeigt sich auch in einigen anderen Viren wie z. B. dem HIVirus und ermöglicht über Modifikation anderer Rezeptoren den Zelleintritt. Es ermöglicht über die Spaltung des ACE-2 Rezeptor eine 100 bis 1000 mal höhere Bindungsaffinität als Sars-CoV aus dem Jahre 2003. Das erklärt die hohe „Ansteckungsrate“ mit primär gleichem ACE-2 Rezeptor…“

Genauere Erkenntnissen über die Pathophysiologie sind wichtig, um die Infektion, die Erkrankung und den Verlauf von COVID-19 besser zu verstehen – wie die enorme Infektiosität, die vielfältigen Auswirkungen auf verschiedene Organe (Lungen, Herz-Kreislauf, Nieren, Magen-Darm-Trakt, Nervensystem, Blut) und die längerfristigen negativen Auswirkungen auf das Immunsystem.

Über die das Antibody dependant Enhancement (ADE) – Antikörper, die sich negativ auf den Krankheitsverlauf und Immunsierung auswirken – haben wir bereits berichtet. Es gibt erste Hinweise, dass IgG Antikörper oft nur kurzzeitig gebildet werden. Das könnte auf eine Störung des immunologischen Gedächtnisses hinweisen und das Problem von Teilimmunität und erneuten CoV-2-Infektionen erklären, evtl. auch die Unsicherheiten bei der serologischen Testung. Trifft dies zu, dann ist zu befürchten, dass die Infektion zu einer nachhaltigen Störung der Immunfunktionen führen kann und die Entwicklung von wirksamen Therapien und von Impfstoffen auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen wird.

Sehr ernüchternd klingen auch die Aussagen von Prof. P.R. Vogt zu möglichen Langzeitwirkungen wie Lungenfibrose, Herzkreislaufkrankheiten und metabolischen Störungen ähnlich wie bei SARS CoV1 („COVID-19 – eine

Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten sowie der zukünftigen Entscheidungen“, DMZ 7.4.20). Er weist darauf hin, dass es nach Jahren der Corona-Forschung und Warnungen vor einer Pandemie noch keinen Impfstoff und monoklonalen Antikörper gibt. Das erklärt dann auch die Zurückhaltung namhafter Virologen zur Dauer der Pandemie…

Die Besonderheit dieses Virus berührt auch die Frage eines möglichen künstlichen Ursprungs, der auch Von Prof. Vogt in Betracht gezogen wird: „…ein synthetisches Labor-Virus, denn genau daran wurde geforscht und der biologische Mechanismus der Krankheits-Erregung ist ja im Detail schon 2016 beschrieben worden. Die angefragten Virologen verneinen natürlich diese Möglichkeit, können sie aber auch nicht ausschliessen, nachzulesen im eben publizierten «Nature Medicine»: «The proximal origin of SARS-CoV-2» von Kristian Andersen.“

Wir möchten an dieser Stelle einen uns vorliegenden Brief an Prof. Wiehler/RKI vom 15.3. bekannt machen:
Betrifft: beunruhigende Informationen und Fragen zum Ursprung und Charakter des SARS-Co-2-Virus

Sehr geehrter Herr Prof. Wiehler,

Als Ärzte sind wir augenblicklich mit zahlreichen Fragen unserer Patienten konfrontiert. Ich schätze und verweise immer auf die sachliche Informationsquelle des RKI. Unbefriedigend sind für viele Patienten

allerdings die Hinweise auf Fledermäuse als Quelle der aktuellen Co-2-Pandemie und den natürlichen zoonotischen Übergang. Auf dieser Grundlage blühen auch immer wieder spektakuläre Verschwörungstheorien, die Verwirrung stiften. Bei der Suche nach verlässlichen Aussagen bin ich auf zwei wissenschaftlichen Publikationen gestossen, die mich sehr beunruhigt haben, weil deren wissenschaftlichen Seriosität eigentlich nicht zu beanstanden ist.

Eine davon wurde bereits im November 20157 publiziert in „Nature Medicine“ („A SARS-like cluster of circulating bat coronaviruses shows potential for human emergence“). Hier publizierte eine Gruppe von Wissenschaftlern aus renommierten wissenschaftlichen Einrichtungen: Vineet D Menachery 1 , Boyd L Yount Jr 1 , Kari Debbink 1,2 , Sudhakar Agnihothram 3 , Lisa E Gralinski 1, Jessica A Plante 1 , Rachel L Graham 1 , Trevor Scobey 1 , Xing-Yi Ge 4 , Eric F Donaldson 1 , Scott H Randell 5,6 , Antonio Lanzavecchia 7 , Wayne A Marasco 8,9 , Zhengli-Li Shi 4 & Ralph S Baric 1,2 1 Department of Epidemiology, University of North Carolina at Chapel Hill, Chapel Hill, North Carolina,

USA. 2 Department of Microbiology and Immunology, University of North Carolina at Chapel Hill, Chapel Hill, North Carolina, USA. 3 National Center for Toxicological Research, Food and Drug Administration, Jefferson, Arkansas, USA. 4 Key Laboratory of Special Pathogens and Biosafety, Wuhan Institute of

Virology, Chinese Academy of Sciences, Wuhan, China. 5 Department of Cell Biology and Physiology, University of North Carolina at Chapel Hill, Chapel Hill, North Carolina, USA. 6 Cystic Fibrosis Center, Marsico Lung Institute, University of North Carolina at Chapel Hill, Chapel Hill, North Carolina, USA. 7

Institute for Research in Biomedicine, Bellinzona Institute of Microbiology, Zurich, Switzerland. 8 Department of Cancer Immunology and AIDS, Dana-Farber Cancer Institute, Harvard Medical School,

Boston, Massachusetts, USA. 9 Department of Medicine, Harvard Medical School, Boston, Massachusetts,

USA. Correspondence should be addressed to R.S.B. (rbaric@email.unc.edu) or V.D.M.

(vineet@email.unc.edu)

Eine Kernaussage (von mir ins Deutsche übersetzt): „In dieser Studie untersuchen wir das Krankheitspotential für SARS-ähnliche CoVs, die derzeit in chinesischen  Hufeisenfledermauspopulationen zirkulieren. Unter Verwendung des infektiösen SARS-CoV-Klons erzeugten und charakterisierten wir

ein chimäres Virus, das die Spitze des Fledermaus-Coronavirus SHC014 in einem an die Maus angepassten SARS-CoV-RückgratHauptkette exprimierte. Die Ergebnisse zeigen, dass Viren der Gruppe 2b, die den SHC014-Spike in einem Wildtyp-Rückgrat codieren, mehrere ACE2-Rezeptor-Orthologe effizient nutzen, effizient in primären menschlichen Atemwegszellen replizieren und in-vitro-Titer erreichen können, die epidemischen SARS-CoV-Stämmen entsprechen. Zusätzlich zeigen In-vivo-Experimente die Replikation des

chimären Virus in der Lunge der Maus mit bemerkenswerter Pathogenese. Die Bewertung der verfügbaren SARS-basierten immuntherapeutischen und prophylaktischen Modalitäten ergab eine schlechte Wirksamkeit.

Sowohl monoklonale Antikörper- als auch Impfstoffansätze konnten CoVs unter Verwendung des neuen Spike-Proteins nicht neutralisieren und vor ihnen schützen. Basierend auf diesen Befunden haben wir ein infektiöses rekombinantes SHC014-Virus in voller Länge synthetisch erneut hergestellt und zeigen sowohl in vitro als auch in vivo eine robuste Virusreplikation.“ (Fettierungen durch mich)

Eine zweite Arbeit aus „Antiviral Research“ ist ganz neu: „The spike glycoprotein of the new coronavirus 2019-nCoV contains a furin-like cleavage site absent in CoV of the same clade“. Die Autoren sind aus Frankreich und Kanada: B. Coutard a , C. Valle b , X. de Lamballerie a , B. Canard b , N.G. Seidah c , E. Decroly b,∗ Unité des Virus Émergents (UVE: Aix-Marseille Univ – IRD 190 – Inserm 1207 – IHU Méditerranée Infection), Marseille, France Aix Marseille Université, CNRS, AFMB UMR 7257, Marseille, FranceLaboratory of Biochemical Neuroendocrinology, Montreal Clinical Research Institute (IRCM, Affiliated to the University of Montreal), 110 Pine Ave West, Montreal, QC, H2W1R7, Canada.

Die Autoren fassen zusammen (Übersetzung durch mich):

  • Die Genom-Sequenz von 2019-nCoV zeigt, dass das Virus mit Betacoronaviren der Linie b einen Cluster bildet.

  • Die 2019-nCoV-S-Proteinsequenz weist eine spezifische furinähnliche Spaltstelle auf, die in der Linie b CoV, einschließlich SARS-CoV-Sequenzen, fehlt.

  • Die furinähnliche Spaltstelle im S-Protein von 2019-nCoV kann Auswirkungen auf den viralen Lebenszyklus und die Pathogenität haben.

  • Kampagnen zur Entwicklung von Anti-2019-nCoV-Therapeutika sollten die Bewertung von Furininhibitoren umfassen….

Diese furinähnliche Spaltstelle soll während der Virusexpression (Mille und Whittaker, 2014) für das „Priming“ von S-Proteinen gespalten werden und dem 2019-nCoV einen Funktionsgewinn für eine effiziente Ausbreitung in der menschlichen Bevölkerung verschaffen im Vergleich zu andere Beta-Coronaviren der Linie b.

Für mich ergeben sich daraus folgende Fragen:

  1. Sind Ihnen die o. gen. wissenschaftlichen Publikationen bekannt und wie werden diese von Ihnen bewertet?

  2. Ist das 2015 charakterisierte chimäre Virus im Gensequenzvergleich identisch mit dem aktuellen Co-2-Virus?

  3. Wie bewerten Sie die Aussage in dem Artikel in „Antiviral Research“, dass es offensichtlich darum ging, dem 2019-nCoV einen „Funktionsgewinn für eine Ausbreitung in der menschlichen Bevölkerung zu verschaffen?“

  4. Welche Konsequenzen hat die „spezifische furinähnliche Spaltstelle“ für die Entwicklung von Heilmitteln und Impfstoffen?

  5. Welche politische Konsequenzen müssen von der Politik und der Zivilgesellschaft gezogen werden, dass Forschungsprojekte, die mit der Entwicklung und dem Risiko der Freisetzung von tödlichen Krankheitserregern verbunden sind, umgehend wirksam kontrolliert und verboten werden?

Lassen Sie mich bitte betonen, dass es aus meiner Sicht hier nicht um theoretisch-akademische Fragen geht, sondern um existentiell wichtige Fragen, die für den weiteren Kampf gegen die jetzt begonnene Epidemie und für den Schutz vor künftigen Katastrophen dieser Art von großer Bedeutung sind. Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr verbunden.

mit freundlichen, aber auch sehr besorgten Grüßen

……

Die Antwort des RKI bestand lediglich in dem Hinweis auf die Homepage des RKI!

Kurzmeldungen:

  • 40 % der Bewohner des Flüchtings-Camps in Ellwangen sind inzwischen Corona-infiziert. Zahlreiche Initiativen fordern, alle derartigen Einrichtungen, in den Schutzmaßnahmen nicht gewährleistet werden können aufzulösen. Das internatonalistische Bündnis hat hier intensive Aktivitäten entwickelt, die wir zu unterstützen bitten!

  • Bill Gates beschreibt Covid-19 als ersten Anwendungsfall der Known-Traveller-Horrorvision des Weltwirtschaftsforums: „[…] Zweifach interessant wird es, wo es um die mutmaßliche Immunität von Menschen geht, die bereits eine Infektion überstanden haben. Das verbindet Gates mit dem Thema Lockerung der Reisebeschränkungen, indem er sagt: „Schlussendlich werden wir ein Zertifikat für die brauchen, die entweder genesen oder geimpft sind, weil wir nicht wollen, dass Menschen beliebig durch die Welt reisen, in der es Länder gibt, die es (das Virus) leider nicht unter Kontrolle haben. Man will diesen Menschen nicht die Möglichkeit komplett nehmen, zu reisen und zurückzukommen….Deshalb wird es schließlich eine Art digitalen Immunitätsbeleg geben, der die globale Öffnung der Grenzen ermöglichen wird.“ […]“https://norberthaering.de/die-regenten-der-welt/gatescovid-19-ktdi/

  • MERS-Corona-Viren können effektiv bekämpft werden durch Phytodynamische Therapie (UV-Licht und Riboflavin), s.a. S.D. Keil, Tranfusion, Vol. 56, Dec. 2016. Bis heute gibt es keine Informationen über eine Studie zur Anwendung dieser Therapie-Methode bei COVID-19 Patienten.

  • Über den beeindruckenden kubanischen Weg des Kampfs gegen Covid-19 geht es in einem Interview mit Prof. Franco Cavalli, eines der renommiertesten Krebsforscher der Schweiz und Präsident der Hilfsorganisation mediCuba. Er berichtet über den erfolgreichen Einsatz von Interfereon Alpha 2B (in Kuba entwickelt) als Aerosol bei Covid-19-Pneumonien in China, über den internationalen Einsätze der kubanischen Ärztebrigaden. Kuba bleibe trotz aller Schwierigkeiten, trotz einer fast 60-jährigen Blockade… „seinem Versuch treu, eine andere Gesellschaft aufzubauen…. Diese Pandemie hat…schonungslos die Schwächen des internationalen kapitalistischen Systems aufgezeigt. Vor fünf Monaten hätte noch jeder gesagt, dass der Kapitalismus unerschütterlich ist….“ (jW, 18.4.20)

Soweit für heute,

bleibt / bleiben Sie gesund und optimistisch – verbreitet/ verbreiten Sie Informatonen über die Medizinerplattform und das Internationalistische Bündnis und gewinnen Sie neue Mitstreiter! Wir freuen uns auch über Berichte zur Vorbereitung des 1.Mai im Gesundheitswesen.

Herzliche Grüße

i.A.
Willi Mast

 

 

Infomail 11.4.20 www.inter-buendnis.de

Von Willi Mast

Liebe Kollegen/innen und Freunde,

vielen Dank für die zahlreichen Zuschriften, Hinweise und die Ermutigung für das Info-Mail der Mediziner-Plattform. Wir stellen uns die Aufgabe, angesichts der sehr komplexen medizinischen, gesundheits- und gesellschaftspolitischen Probleme der „Corona-Krise“ und der bislang tiefsten Weltwirtschafts- und Finanzkrise Orientierung zu geben und organisierend zu wirken unter Beschäftigen des Gesundheitswesens. 

Gegenwärtig mehren sich die Stimmen, die das Corona-Krisenmanagement der Regierung infrage stellen. Der Chirurg und Publizist Dr. Bernd Hontschik schreibt in einem Beitrag: „Vor mehr als sieben Jahren erschien… eine geradezu hellseherischen Risikoanalyse von BMI und RKI über ein schwerwiegendes Seuchenereignis durch ein neuartiges Coronavirus. Neben Quarantäne und Hygiene wurde… dem Einsatz von Masken, Brillen und Handschuhe erhebliche Bedeutung zugemessen. Passiert ist danach nichts.

Vor drei Jahren provozierte Bill Gates … auf der Münchener Sicherheitskonferenz die versammelten Mächtigen damit, dass in naher Zukunft eine „hochgradig tödliche globale Epidemie auftreten“ werde“… Passiert ist danach nichts…

Vor acht Wochen… warnte eine schwäbische Firma das Bundesgesundheitsministerium vor Engpässen bei der Versorgung mit Masken. Passiert ist nichts…. Man habe sich nicht vorstellen können, dass es mit einem „Cent-Produkt“ einen solchen Mangel geben könne, sagte J. Spahn dazu im ZDF…

Bis heute sind Krankenhäuser nur unzureichend und Arztpraxen fast gar nicht mit professioneller Schutzkleidung und Atemschutzmasken ausgerüstet…

Die Frage nach der Wirksamkeit von Atemmasken ist ungefähr so albern wie die Frage nach der Wirksamkeit von Fallschirmen – auch hier fehle der Doppelblindversuch…

Die zur Zeit täglich als unsere großen Retter auftreten, haben völlig versagt“(FR 4./5.4.20)

International viel beachtet und diskutiert wird der Beitrag „Die Lehren von Wuhan“ von Prof. E. Nagel. Er war von 2010-15 ärztlicher Direktor des Uni-Klinikums Essen, seit 2018 einer von zwei Präsidenten des Chinesisch-Deutschen Freundschaftskrankenhauses im Tongji Klinikum in Wuhan – und er berät die Bundesregierung in Fragen der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich. Nagel übt eine detaillierte Kritik an dem Krisenmanagement der Schweizer Regierung und der EU. Er zeigt die Tragweite und perspektivische Bedrohung durch die Covid-19-Pandemie auf. https://www.mittellaendische.ch/2020/04/07/covid-19-eine-zwischenbilanz-oder-eine-analyse-der-moral-der-medizinischen-fakten-sowie-der-aktuellen-und-zuk%C3%BCnftigen-politischen-entscheidungen/

Einige seiner Schlußfolgerungen:

  • Einführung von 6-Stunden-Schichten für das medizinische Krankenhaus-Personal, um unnötige Opfer zu vermeiden

  • Massive Ausweitung der Schnell-Testungen als Voraussetzung um Infektionswege zu durchbrechen.

  • konsequente Verwendung von Atemschutzmasken

  • und allgemein: Lernen von den wertvollen Erfahrung Chinas und anderer süd-ost-asiatischen Ländern – lesenswert!

Unter Virologen und auch Politiker entfaltet sich aktuell eine Debatte über die aktuelle Gefährdung durch die Covid-Epidemie in Deutschland und über eine mögliche Exitstrategie. Aufbauend auf der von ihm durchgeführten Heinsberg-Studie tritt Prof. Streeck/Bonn für eine gezielte und schrittweise Lockerung von bestimmten Beschränkungen ein – unter strikten Beibehaltung notwendiger Schutzmaßnahmen, Verpflichtung zu Mundschutz und massiver Ausweitung der Schnelltestungen. Realistische Zahlen über Ausbreitung, Infektionswege, Morbität und Mortalität müssen Voraussetzung einer „Exitstrategie“ sein. https://www.youtube.com/watch?v=VP7La2bkOMo 

Wir haben verschiedene Beiträge erhalten mit berechtigter Kritik an dem Krisenmanagement der Regierung und an den statistischen Methoden des RKI. Ein  Kernproblem ist allerdings, dass die längerfristigen Schwächung des Immunsystems durch CoV2 oftmals unterschätzt wird. (In unverantwortlicher Weise geschieht dies z.B. in den Internet-Einträgen eines Dr. Wodarg). Unterschätzt werden damit auch die zu erwartenden großen Probleme bei der Entwicklung von Therapien und einer Schutzimpfung auf Grund der Besonderheiten dieses Virus. Covid-19 ist alles andere als eine Influenza-ähnliche Epidemie, die bald überstanden ist. Auf die besonderen immunologischen und medizinischen Probleme werden wir in einem der nächsten Info-Mails eingehender eingehen.

Aktuell gibt es berechtigte Hoffnungen auf die Wirksamkeit des retroviralen Hemmstoffs Remdesivir, der jetzt auch in einer bundesweiten Studie an Covid-19-Patienten überprüft wird (Dt. Ärzteblatt 8.4.20) Dass EIDD-1931 oder besser sein Prodrug EIDD-2801 ein aussichtsreicher Kandidat für die Abwehr von Coronaviren ist, konnte ein Team um Mark Denison lt. Journal of Virology (2019; 93: e01348-19) in Laborexperimenten zeigen.

In diesem Zusammenhang fordert medico international zusammen mit 144 anderen Organisationen  in einem offenen Brief an den Pharma-Konzern Gilead die patentfreie Entwicklung, den Zugang und Bezahlbarkeit von Remdesivir und anderer Corona-Medikamente. Beispielhaft wird hier deutlich, wie Patentrecht, Konkurrenz und das Profitstreben von Pharma-Monopolen heute einer wirksamen Bekämpfung der Covid-19-Pandemie entgegen stehen. Medikamente und Impfstoffe gehören nicht irgendwelchen Pharma-Monopolen, sondern der Menschheit. So wie es bereits Prof. Salk, Erfinder des Polio-Impfstoffs, ausdrückte: „Die Sonne kann man auch nicht patentieren, dieser Impfstoff gehört der Menschheit!“

Eine ähnliche Auseinandersetzung entwickelt sich auch um die Erforschung und den Einsatz von Chloroquin und seiner besser verträglichen Tochtersubstanz Hydroxychloroquin. Es handelt es sich um ein ursprünglich als Antimalariamittel   eingesetztes, bewährtes und billiges Medikament (Patentschutz ausgelaufen), das die Endozytose von CoV-2 hemmen kann. „Die vielversprechenden chinesischen Forschungs- und Behandlungsergebnisse wurden in Frankreich zunächst von dem Institut Hospitalo-Universitaire (IHU) Méditerranée Infection aufgegriffen. Dieses Institut wird von einem weltweit renommierten Virologen, Prof. Didier Raoult, geleitet. Es gelang dem Team um Raoult in einer kleinen Studie über das Hydroxychloroquin und das Antibiotikum Azithromycin, die Ergebnisse der chinesischen Forscher zu bestätigen… Dass Raoults Forschungsergebnisse auf eine solche negative Resonanz bei der Obrigkeit und den Mainstream-Medien trafen, lässt sich dadurch erklären, dass das Aufkommen eines effizienten und billigen Medikamentes auf dem französischen und europäischen Markt die Projekte von zwei Pharmafirmen, Gilead und Abbvie, durchkreuzen würde. Diese beiden Firmen stellen zwei ebenfalls gegen Covid-19 eingesetzte Medikamente her: Gilead stellt das sehr teure Anti-Ebola-Mittel Remdesivir her und Abbvie Kaletra ein Kombinationspräparat aus den Anti-HIV-Medikamenten Lopinavir und Ritonavir….“ (Wie in Frankreich eine effektive Therapie gegen Covid-19 unterdrückt wird, Nachdenkseiten 7.4. 2020).

Diese Frage hat große Bedeutung für arme und abhängige Länder. Der Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege, Gynäkologe aus dem Kongo wendete sich an die Öffentlichkeit: „Wir müssen schnell handeln, um das Massensterben zu verhindern“. Er sprach sich für den massenhaften Einsatz von Chloroquin aus, weil es immer noch besser sei, als die Menschen einfach sterben zu lassen (Le Monde Afrique 28.3.20)

Unter dem Titel „Im Würgegriff“ – am Beispiel der Bekämpfung von Pandemien –veröffentlichte medico international eine Kritik von Dr. Andreas Wolf an der WHO, die „de facto zu einem „Dienstleister in Sachen Globaler Gesundheitspolitik von nationalstaatlichen und privatwirtschaftlichen Interessen“ geworden ist – allen voran die Bill-Gates-Stiftung: „…welche kritische Haltung zu „big food“ und „big pharma“ kann man von der Gates Foundation erwarten, deren Gelder auch aus den Profiten von Großunternehmen der Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie stammen? Dass die WHO bereits zweimal das Ehepaar Gates als „special speaker“ zu ihrer Jahresversammlung einlud und die Stiftung jetzt gar den Status der „official relations“ bekommen hat, verstärkt dieses Misstrauen noch“.

Ein Kollege weist uns auf die zwielichtige Rolle der Johns Hopkins University hin. Scheinbar oberste Autorität ist die JHU in der Erfassung und Interpretation der weltweiten Infektionszahlen. In einer entlarvenden Polemik zu „JHU und das globale Pandemie-Management“ zeigt der Kölner Publizist Werner Rügemer deren dunkle Vergangenheit auf – ebenso die Verquickung mit US-Militär, Geheimdienst und Milliardären wie Bill Gates und Bloomberg. In dem Beitrag wird offen gelegt, wie die JHU im Interesse seiner Sponsoren über die WHO, Weltbank etc. die Gesundheitspolitik weitweit beeinflusst. Entgegen aller Tatsachen preist die JHU das „US-Gesundheitsystem als das sicherste der Welt“ – was derzeit bei der Corona-Katastrophe in New York zu beobachten ist! Interessant ist auch, dass der aktuellen Covid-19-Epidemie ein entsprechendes Planspiel der JHU vorausging… (Erstveröffentlichung am 01.04.2020 auf nachdenkseiten.de)

Es ist kein Zufall, dass die aktuelle Krise zunehmend eine Diskussion über eine grundlegende gesellschaftliche Alternative auslöst. Auf www.rf-news.de wurde aktuell ein Diskussionsforum „Corona-Krise – Kapitalismus-Krise?“ eingerichtet. Hier finden sich auch Beiträge zu den allseitigen und weltweiten Auswirkungen der Krise auf die Arbeits- und Lebensbedingungen, zum Kampf um demokratische Rechte,  zum Ursprung von CoV-2 etc.  

Erstaunlich aktuell und zur Corona-Krise passend erscheinen Aussagen von Marx und Engels, Vordenker und Vorkämpfer für eine sozialistische Gesellschaft. F. Engels schreibt 1872 „Zur Wohnungsfrage“:

Die moderne Naturwissenschaft hat nachgewiesen, dass die sogenannten „schlechten Viertel“, in denen die Arbeiter zusammengedrängt sind, die Brutstätten aller jener Seuchen bilden, die von Zeit zu Zeit unsre Städte heimsuchen. Cholera, Typhus und typhoide Fieber, Blattern und andre verheerende Krankheiten verbreiten in der verpesteten Luft und dem vergifteten Wasser dieser Arbeiterviertel ihre Keime; sie sterben dort fast nie aus, entwickeln sich, sobald die Umstände es gestatten, zu epidemischen Seuchen, und dringen dann auch über ihre Brutstätten hinaus in die luftigeren und gesunderen, von den Herren Kapitalisten bewohnten Stadtteile. Die Kapitalistenherrschaft kann nicht ungestraft sich das Vergnügen erlauben, epidemische Krankheiten unter der Arbeiterklasse zu erzeugen; die Folgen fallen auf sie selbst zurück, und der Würgengel wütet unter den Kapitalisten ebenso rücksichtslos wie unter den Arbeitern. Sobald dies einmal wissenschaftlich festgestellt war, entbrannten die menschenfreundlichen Bourgeois in edlem Wetteifer für die Gesundheit ihrer Arbeiter….

Und solange die kapitalistische Produktionsweise besteht, solange ist es Torheit, die Wohnungsfrage oder irgendeine andre das Geschick der Arbeiter betreffende gesellschaftliche Frage einzeln lösen zu wollen. Die Lösung liegt aber in der Abschaffung der kapitalistischen Produktionsweise, in der Aneignung aller Lebens- und Arbeitsmittel durch die Arbeiterklasse.” (Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, Dietz Verlag, Berlin. Band 18, 5. Auflage 1973,  S. 233 ff.) 

Kurzmeldungen:

  • Abbruch NATO-Manöver: Das geplante Großmanöver an der russischen Grenze mit 37 000 Soldaten („Defender 2020“) musste auf Grund der Corona-Krise abgesagt werden.

  • Die Junge Welt berichtet, dass das norwegische Kreuzfahrtschiff MS Bremen mit CoV-2-infizierten Patienten an Bord nach einer Irrfahrt durch die Karibik schließlich in Kuba anlanden konnte und die Passagiere sachgerecht versorgt wurden. Aktuell machen kubanische Ärzte in 33 Ländern Hilfseinsätze und stellen uneigennützig ihre Erfahrungen in der Bekämpfung von Ebola und anderen Epidemien zur Verfügung, während die Trump-Regierung diese Einsätze in übelster Weise diffamiert.

  • Studien zur passiven Immunsierung – bereits vor 4 Wochen von unserer Plattform vorgeschlagen – werden inzwischen nicht nur in der Schweiz bei Covid-19-Erkrankten durchgeführt, sondern auch in deutschen Universitätskliniken wie in Hannover.

  • Verschiedene aktuelle Meldungen weisen auf die große Bedeutung der Herzbeteiligung bei Covid-19-Infizierten Der Hinweis und auch die pathophysiologische Begründung dafür sind bereits in einem unserer Info-mails enthalten.

  • Ein Kollege aus dem Uni-Klinikum Essen wies uns auf meist flüchtige neurologische Störungen und Ausfälle bei Covid-Patienten hin (Geschmacks- und Geruchsstörungen!). Am 9. 4. weist die Deutsche Gesellschaft für Neurologie warnt die Dt. Gesellschaft für Neurologie, dass SARS-CoV-2 auch Hirnhautentzündungen vervorrufen kann und sich über einen neuralen Infektionsweg verbreiten kann. Über einen Fall aus Japan wird berichtet.

  • Bei hospitalisierten COVID-19-Patienten mit ARDS (acute respiratory distress syndrom) fanden sich persistierend erhöhte Werte für Leukozyten, Interleukin 6, LDH, Ck und D-Dimere (DÄB 15/2020). (Nach meinen eigenen Erfahrungen ist Il 6 ein sehr sensitiver Parameter für eine beginnendes ARDS, W.M.)

  • Mehrfach negativ getestet – trotzdem mit Covid-19 in den Klinik: Die Medical Tribune (9.4.20) berichtet über die großen Unsicherheiten, die bei der Diagnostik und auch Therapie von CoV-2-Infizierten und Erkrankten auftreten. Unsicherheiten nicht nur bei negativen Abstrichuntersuchungen, sondern auch bei der Bewertung von serologischen Untersuchungen.

keine erfreuliche Osterbotschaft…

i.A.
Willi Mast

Lehren aus Wuhan: „Ärzte und medizinisches Personal sollten nur sechs Stunden arbeiten“

Interview mit Eckhard Nagel, Präsident des Chinesisch-Deutschen Freundschaftskrankenhauses in Wuhan
Bei RiffReporter berichten WissenschaftsjournalistInnen für Sie über die Pandemie

Der Arzt Eckhard Nagel hat einen besonderen Blick auf die Coronakrise. Er ist seit 2018 einer von zwei Präsidenten des Chinesisch-Deutschen Freundschaftskrankenhauses im Tongji Klinikum in Wuhan – der Metropole, in der die Pandemie ihren Lauf nahm.

Nagel lebt in Bayreuth, wo er als Professor für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften wirkt. Von 2010 bis 2015 war er Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Essen. Der Öffentlichkeit ist Nagel auch als langjähriges Mitglied des Deutschen Ethikrats und Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages bekannt. Er berät die Bundesregierung in Fragen der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich.

***

Herr Nagel, Sie sind in ständigem Kontakt mit dem deutsch-chinesischen Freundschaftskrankenhaus in Wuhan. Machen Sie das hauptsächlich wegen Ihrer Führungsfunktion dort oder können Sie auch etwas für die Situation in Deutschland mitnehmen?

Nagel: Wir müssen lernen, wie sich die Pandemie durch die Welt bewegt. Deshalb ist der Erfahrungsaustausch mit den Ärzten in Wuhan so wichtig. Diese sind uns an Erfahrungen erheblich voraus und haben Hunderte, oftmals Tausende Patienten gesehen. Wir hatten in Bayreuth am vergangenen Freitag dagegen 500 Betten freigemacht, aber nur 22 Corona-Patienten, von denen acht auf der Intensivstation betreut werden. Wir müssen jetzt den Blick auf die nächste Phase richten – und von anderen lernen.

Was sind aus Ihrer Sicht die Lehren aus den chinesischen Erfahrungen?

Nagel: An erster Stelle steht sicher die Erfahrung, was eine Quarantäne für eine ganze Millionenstadt bewirken kann – und das für sechs Wochen. Die Ausgangsbeschränkungen waren viel strenger als bei uns, die Menschen konnten nicht mehr selbstständig einkaufen oder an die frische Luft gehen. Für viele Menschen gerade in den Hochhäusern bedeutete dies eine enorme Belastung. Es war eine riesige logistische Leistung, alle zu versorgen. Aber es hat die Ausbreitung des Virus offenbar erfolgreich eingedämmt.

Und was lernen wir daraus?

Nagel: Unser großer Vorteil ist, dass wir die Erfahrungen aus Wuhan nun kennen – die Zahlen, die Entwicklung, die Ursachen. Entscheidend ist bei uns nicht, dass wir so radikal wie China vorgehen müssen, sondern dass wir konsequent und schnell reagieren. Wir wissen, dass die Zahlen der Neuinfektionen 14 Tage nach einem Shutdown heruntergehen. Aber wir wissen auch, dass man die doppelte Zeit braucht, um die Infektionswege wirklich zu unterbrechen. Zweitens hat man in Wuhan gelernt, wie die Infektionswege bei Covid-19 funktionieren. Mittlerweile wissen wir, wie hochinfektiös das Virus zwischen Menschen ist. Nun ist auch klar, wie die Schutzmaßnahmen im Alltag, aber auch bei der Arbeit auszusehen haben.

Was heißt das für den Krankenhausbetrieb?

Nagel: Man hat in Wuhan eine klare Relation zwischen der Länge der Arbeitsschichten und der Überlebenswahrscheinlichkeit der Patienten sowie der Ansteckungswahrscheinlichkeit der Krankenhaus-Mitarbeiter entdeckt. In der ersten hektischen Phase arbeiteten Ärzte und medizinisches Personal in Wuhan oft 12 bis 14 Stunden. Sehr viele Helfer haben sich damals angesteckt. Diese Entwicklung sehen wir auch in Italien und Spanien. Erst als in China sehr viel mehr Personal zur Hilfe kam und die Schichten sich auf sechs Stunden verkürzten, sanken die Ansteckungs- und Sterberaten. Das Personal konnte sich dann sehr viel genauer an die Vorschriften halten. Die Kehrseite der Medaille: Kürzere Schichten bedeuten einen sehr viel höheren Bedarf an Schutzausrüstung.

Was heißt das konkret?

Das Bild zeigt den Interviewpartner, einen hoch gewachsenen Mann mit Anzug und Krawatte. Der Mediziner Eckard Nagel, hier bei einer Vorlesung an der Universität Bayreuth, zählt zu den Kennern des chinesischen Gesundheitssystems. Er fordert, von den Erfahrungen in Wuhan rasch zu lernen.

Peter Kolb

Nagel: Die Lehre für Deutschland und Europa ist, dass eine Sechs-Stunden-Schicht Leben rettet. Wichtig ist es auch, in der Vorbereitungsphase ausreichend Personal zu bekommen, das angelernt werden kann. Dazu zählt die Rekrutierung ehemaliger Mitarbeiter und von Medizinstudierenden. Es hilft, dass andere Bereichen in den Krankenhäusern ihre Aktivitäten heruntergefahren haben und das Personal aus diesen Abteilungen auch für die Behandlung der Corona-Patienten eingesetzt werden kann.

Wie sieht es mit den organisatorischen Strukturen aus?

Nagel: Es hat sich bewährt, dass die Behandlung der Corona-Patienten in Wuhan auf wenige Krankenhäuser konzentriert wurde. Anfangs wurden die Menschen überall behandelt. Das hat die Ausbreitung des Virus in der ganzen Stadt noch befördert. In Deutschland lernt man von diesen Erfahrungen – etwa durch den Bau eigener Coronavirus-Krankenhäuser auf den Messegeländen in Berlin oder Hannover. Dies ist wesentlich zielführender als eine dezentrale Behandlung.

Wie läuft das in der Praxis ab?

Nagel: Unser Problem bei der Umsetzung ist, dass wir uns erst langsam dorthin bewegen. Denn in unserem Gesundheitssystem sind Krankenhäuser auch Konkurrenten. Deshalb ist es erst einmal schwierig, eine Struktur zu finden, in der eine Institution in einer Stadt die Hauptverantwortung übernimmt. In Berlin und Hannover ist das bereits gelungen. Aber es muss sich überall zurechtruckeln. Wir hätten schneller sein können.

Was können wir aus Wuhan über den Umgang mit den Infizierten lernen?

Nagel: Wir wissen nun, wie wichtig das Testen und der Umgang mit Infizierten ist. Anfangs reichten die Kapazitäten in Wuhan nicht aus. Die Auswertung der ersten Tests dauerten zudem drei, vier Tage. Heute gibt es schnellere Tests und es sind wesentlich mehr Tests verfügbar. Wichtig im Kampf gegen die Ausbreitung war auch die Klärung der Frage: Wann gehen einmal infizierte und genesene Patienten eigentlich nach Hause?

Wie wird das gehandhabt?

Nagel: Dafür gibt es in Wuhan eine strikte Regelung: Ein Patient muss innerhalb von drei Tagen zweimal negativ getestet werden, bevor er nach Hause darf. Dann kommt er aber noch einmal 14 Tage in häusliche Quarantäne. Erst wenn der Test danach erneut negativ ausfällt, kann er damit rechnen, sich wieder in die Öffentlichkeit begeben zu dürfen. Der Effekt war also eine sehr starke Isolation der infizierten Patienten. Dafür wurden oft Hotels zur Unterbringung genutzt, weil die Menschen zunächst nicht zu ihren Familien gelassen wurden. Dies könnte auch eine Lehre für Deutschland sein. Zudem muss man überlegen, wie man mit einer kleineren Gruppe umgeht, die trotz Infektion keine Antikörper entwickelt hat – sich also erneut anstecken könnte.

Sollten wir die Maßnahmen aus China eins zu eins übernehmen?

Nagel: Nein, nicht alle Erfahrungen aus China lassen sich auf unsere Gesellschaft übertragen. Es gibt dort eine anderen Umgang mit der Privatsphäre als bei uns. Die Überwachung der ehemals Infizierten geschieht jedenfalls digital: Die Betroffenen sind über ihr Handy über die App WeChat zu orten, die ohnehin viele Chinesen nutzen. Sie müssen jeden Morgen Fieber messen und ihre Symptome in WeChat eintragen. Sie schaffen also eine Art eigene elektronische Krankenakte. Ein System mit roten oder grünen Zeichen auf dem Handy zeigt den Menschen anschließend an, ob sie das Haus verlassen dürfen oder nicht. Schummeln ist schwierig. Denn es gibt weitere Fieberkontrollen auf der Straße und vor dem Betreten von Fabriken und Büros.

Wie positionieren Sie sich in der Debatte um „Corona-Apps“?

Nagel: In Deutschland wäre eine Pflicht richtig, eine Covid-19-App nutzen zu müssen – eine Handyortung lehne ich dagegen ab.

Es heißt nun in sozialen Medien, „Wuhan ist überall“. Stimmt das auch bei der Bekämpfungsstrategie?

Nagel: Natürlich kann man den chinesischen Weg nicht auf eine demokratische Gesellschaft wie bei uns übertragen. Die Frage ist, wie weit die Selbstdisziplin reicht. Auch wir kennen schließlich Vorschriften nach dem Infektionsschutzgesetz: Niemandem ist es hierzulande erlaubt, mit Pocken auf die Straße oder mit Tuberkulose in die Schule zu gehen. Wir haben zudem gerade eine Masern-Impfpflicht eingeführt. Es gibt also auch bei uns die permanente Abwägung zwischen Schaden für eine Gesellschaft und Freiheit für den Einzelnen. Aufgabe muss es für uns sein, dasselbe Ziel wie in China zu verfolgen, aber mit einem zu uns passenden Weg.

Aus China prägen sich vor allem auch die Bilder ein, dass alle Menschen einen Mundschutz tragen. Wie sehen Sie das Thema Maskenpflicht?

Nagel: Eine Lehre aus den asiatischen Erfahrungen im Umgang mit dem Virus ist, dass wir den Mundschutz als durchaus relevante Größe ansehen müssen, um die Zahl von Neuinfektionen zu reduzieren. Es muss diskutiert werden, ob uns der Mundschutz nicht mehr Bewegungsfreiheit sichern kann, wie dies etwa in Südkorea der Fall ist. Uns eine Maske anzuziehen liegt uns sicher weniger als den Menschen in Asien, die dies auch etwa wegen der Luftverschmutzung eher gewohnt sind. Hierzulande werden Masken bisher eher als Abgrenzung empfunden, weil man etwa kein Lächeln sieht. Aber der Mundschutz gehört zu den Themen, die wir jetzt dringend ansprechen müssen. In Krankenhäusern ist er doch ohnehin schon längst akzeptiert.

Was halten Sie von der Exit-Debatte?

Nagel: Ich halte es für nachvollziehbar, dass die Debatte geführt wird. Denn die Einschnitte berühren Existenzängste vieler Menschen. Das bezieht sich sowohl auf die wirtschaftliche Existenz als auch die Psyche. Menschen dürsten nach einer klaren Antwort, wann Beschränkungen wieder aufgehoben werden. Dennoch halte ich die Diskussion über eine Lockerung der Vorschriften zum jetzigen Zeitpunkt für ausgesprochen schädlich.

Die Debatte kommt also zu früh?

Nagel: Es geht in der Debatte leider nur um den Zeitpunkt der Lockerung. Sie lenkt aber davon ab, dass wir unser Verhalten generell ändern müssen. Es wird nichts wieder so, wie es einmal war. Niemand sollte denken, dass wir uns in der Öffentlichkeit sofort wieder so bewegen wie früher, wenn die Vorschriften einmal gelockert werden. Deshalb sollten wir uns auf den nötigen Lernprozess für die Zukunft konzentrieren. Wir werden ja trotz allem wieder ein Sozialleben haben, wieder arbeiten und produzieren. Aber alles wird unter einer neuen Regie, unter neuen Regeln stattfinden. Deshalb ist es gut, wenn wir nach Ostern wissen, wie es weitergeht. Aber bis dahin müssen wir die Ansteckungsdynamik unter allen Umständen brechen.

Aus Wuhan gibt es Medienberichte, denen zufolge die Zahl der Toten um ein Vielfaches über den offiziellen Zahlen liegen soll. Haben Sie dazu Erkenntnisse?

Nagel: Ich habe keine Kenntnis darüber, dass die Zahlen bezüglich der Verstorbenen in Wuhan nicht korrekt angegeben worden sind. Generell ist eine gewisse Skepsis bei den Zahlen sicher angebracht. Vor allem die Zählweise hat sich ja mehrfach verändert. Dadurch ist eine wirkliche Statistik nicht brauchbar anzufertigen. Und diese Situation hat es erschwert, aus den Zahlen Rückschlüsse auf den wirklichen Verlauf der Epidemie zu ziehen.

Wie ist die aktuelle Entwicklung?

Es ist ein deutlicher Rückgang von erkrankten Personen festzustellen, zumindest in unserem Krankenhaus, das ja in den letzten Wochen ein spezielles Corona-Krankenhaus gewesen ist. Interessanterweise hat auch die Schwere der Fälle durchschnittlich abgenommen. Das kann ich mir im Moment noch nicht richtig erklären. Vielleicht liegt hier aber ein persönlicher Bias. Die Regelmäßigkeit der Aufnahmen hat sich allerdings noch nicht verändert, was natürlich damit zu tun haben kann, dass Personen, die sich vor 14 Tagen infiziert haben, jetzt ins Krankenhaus kommen.

Was ändert sich im Chinesisch-Deutschen Krankenhaus im medizinischen Alltag jetzt, da die Restriktionen weniger werden?

Nagel: Es ist interessant, die Veränderungen zu sehen. Bisher hatten wir bei den Videokonferenzen mit Wuhan immer nur Einzelpersonen am Tisch gesehen. Am vergangenen Freitag saß erstmals wieder eine ganze Reihe von Kollegen mit Mundschutz am Konferenztisch, auch im Hintergrund saßen Mitarbeiter. Die sehr engen Abstandsregeln, die bisher in Kraft waren, wurden also offensichtlich gelockert. Das Deutsch-Chinesische Krankenhaus, das vollständig zu einem Corona-Krankenhaus umorganisiert wurde, wird zudem in vier Wochen wieder seinen normalen Betrieb aufnehmen. Dann wird es nur noch einen kleinen Teil für die Betreuung der Corona-Kranken geben.

Hinweis: Kernaussagen dieses Interviews sind zuerst in nachrichtlicher Form bei der Nachrichtenagentur Reuters erschienen, deren Berliner Chefkorrespondent Andreas Rinke ist.

Autor
Andreas Rinke

Andreas Rinke ist seit 2011 Chefkorrespondent der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin. Der promovierte Historiker hat zuvor als Redakteur bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und als Politikkorrespondent in Berlin beim Handelsblatt gearbeitet. Mit Christian Schwägerl hat er das Buch „11 drohende Kriege“ (2012, aktualisiert 2015) verfasst. Sein Buch „Das Merkel-Lexikon“ ist im Herbst 2016 beim Verlag zu Klampen erschienen. Bei RiffReporter entwickelt er das „Merkel-Lexikon“ zu einem ständig aktualisierten und erweiterten Projekt fort.

COVID-19 – eine Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten, sowie der aktuellen und zukünftigen politischen Entscheidungen

GASTKOMMENTAR von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt
Überlegungen eines besorgten Schweizer Bürgers

Vorwort: wieso nehme ich überhaupt Stellung?

Aus 5 Gründen:

  • bin ich mit meiner Stiftung «EurAsia Heart – A Swiss Medical Foundation» seit mehr als 20 Jahren in EurAsien tätig, habe fast ein Jahr in China gearbeitet und seit 20 Jahren eine kontinuierliche Verbindung zum «Union Hospital of Tongji Medical College/Huazhong University of Science and Technology» in Wuhan, wo ich eine meiner vier Gastprofessuren in China habe. Die 20-jährige Verbindung zu Wuhan habe ich auch in den jetzigen Zeiten konstant aufrechthalten können.

  • ist COVID-19 nicht nur ein Problem der mechanischen Beatmung, sondern betrifft das Herz in ähnlicher Weise. 30% aller Patienten, welche die Intensivstation nicht überleben, versterben aus kardialen Gründen.

  • ist die letzt-mögliche Therapie des Lungenversagens eine invasiv-kardiologische, respektive kardiochirurgische: die Verwendung einer «ECMO», der Methode der «extrakorporellen Membran-Oxygenation», d.h. die Verbindung des Patienten mit einer externen, künstlichen Lunge, welche bei diesem Krankheitsbild die Funktion der Lunge des Patienten so lange übernehmen kann, bis diese wieder funktioniert.

  • bin ich – ganz einfach – um meine Meinung gefragt worden.

  • sind sowohl das Niveau der medialen Berichterstattung wie auch sehr viele Leser-Kommentare nicht ohne Widerspruch hinzunehmen und zwar in Bezug auf Fakten, Moral, Rassismus und Eugenik. Sie benötigen dringend einen Widerspruch durch zuverlässige Daten und Angaben. Die dargelegten Fakten entstammen wissenschaftlichen Arbeiten, welche ein «peer-review» durchlaufen haben und in den besten medizinischen Zeitschriften publiziert worden sind. Viele dieser Fakten waren bis Ende Februar bekannt. Hätte man diese medizinischen Fakten zur Kenntnis genommen und wäre man fähig gewesen, Ideologie, Politik und Medizin zu trennen, wäre die Schweiz heute mit grosser Wahrscheinlichkeit in einer besseren Lage: wir hätten pro Kopf nicht die zweitmeisten COVID-19-positiven Leute weltweit und eine bedeutend kleinere Zahl an Menschen, welche ihr Leben im Rahmen dieser Pandemie verloren haben. Zudem hätten wir mit grosser Wahrscheinlichkeit keinen partiellen, unvollständigen «Lock-down» unserer Wirtschaft und keine kontroversen Diskussionen, wie wir hier wieder «herauskommen». Anmerken möchte ich noch, dass alle wissenschaftlichen Arbeiten, die ich erwähne, bei mir im Original erhältlich sind.

1. Die Zahlen in den Medien

Es ist verständlich, dass alle das Ausmass dieser Pandemie auf die eine oder andere Art erfassen möchten. Nur, die tägliche Rechnerei hilft uns nicht weiter, da wir nicht wissen, wie viele Personen lediglich folgenlos Kontakt mit dem Virus hatten und wie viele Personen tatsächlich krank geworden sind.

Die Anzahl asymptomatischer COVID-19 Träger ist wichtig, um Vermutungen über die Ausbreitung der Pandemie machen zu können. Um brauchbare Daten zu haben, hätte man jedoch zu Beginn der Pandemie breite Massentests durchführen müssen. Heute kann man nur noch vermuten, wie viele Schweizer Kontakt mit COVID-19 hatten. Eine Arbeit mit einer amerikanisch-chinesischen Autorenschaft hat schon am 16. März 2020 publiziert, dass auf 14 dokumentierte mit 86 nicht-dokumentierten Fällen von COVID-19-positiven Personen zu rechnen ist. In der Schweiz muss man deshalb damit rechnen, dass wohl 15x bis 20x mehr Personen COVID-19-positiv sind, als in den täglichen Berechnungen dargestellt wird. Um den Schweregrad der Pandemie zu beurteilen, bräuchten wir andere Daten:

  • eine exakte, weltweit gültige Definition der Diagnose «an COVID-19 erkrankt»: a) positiver Labortest + Symptome; b) positiver Labortest + Symptome + entsprechender Befund im Lungen-CT; oder c) positiver Labortest, keine Symptome, aber entsprechende Befunde im Lungen-CT.

  • die Anzahl hospitalisierter COVID-19-Patienten auf der Allgemeinabteilung

  • die Anzahl COVID-19-Patienten auf der Intensivstation

  • die Anzahl beatmeter COVID-19-Patienten

  • die Anzahl von COVID-19-Patienten am ECMO

  • die Anzahl an COVID-19 Verstorbenen

  • die Anzahl infizierter Ärzte und Pflegepersonen

Nur diese Zahlen ergeben ein Bild vom Schweregrad dieser Pandemie, respektive von der Gefährlichkeit dieses Virus. Die aktuelle Anhäufung von Zahlen ist derart ungenau und hat einen Touch von «Sensations-Presse» – das letzte, was wir in dieser Situation noch brauchen.

2. «Eine gewöhnliche Grippe»

Handelt es sich hier nur um «eine gewöhnliche Grippe», die jedes Jahr vorüberzieht und gegen die wir üblicherweise «nichts» unternehmen – oder um eine gefährliche Pandemie, welche rigide Massnahmen benötigt? Um diese Frage zu klären, muss man bestimmt keine Statistiker fragen, die noch nie einen Patienten gesehen haben. Die reine, statistische Beurteilung dieser Pandemie ist sowieso unmoralisch. Fragen muss man die Leute an der Front. Keiner meiner Kollegen – und ich natürlich auch nicht – und niemand vom Pflegepersonal kann sich erinnern, dass in den letzten 30 oder 40 Jahren folgende Zustände herrschten, nämlich dass:

  1. ganze Kliniken mit Patienten gefüllt sind, welche alle dieselbe Diagnose besitzen;

  2. ganze Intensivstationen mit Patienten gefüllt sind, welche alle dieselbe Diagnose aufweisen;

  3. 25% bis 30% der Pflegenden und der Ärzteschaft genau jene Krankheit auch erwerben, welche jene Patienten haben, die sie betreuen;

  4. zu wenig Beatmungsgeräte zur Verfügung standen;

  5. eine Patientenselektion durchgeführt werden musste, nicht aus medizinischen Gründen, sondern weil wegen der schieren Anzahl an Patienten schlicht das entsprechende Material gefehlt hat;

  6. die schwerer erkrankten Patienten alle dasselbe – ein uniformes – Krankheitsbild aufgewiesen haben;

  7. die Todesart jener, die auf der Intensivstationen verstorben sind, bei allen dieselbe ist;

  8. . Medikamente und medizinisches Material auszugehen drohen. Aufgrund von 1-8) ist es klar, dass es sich um einen gefährlichen Virus handelt, der dieser Pandemie zugrunde liegt.

Die Behauptungen, eine «Influenza» sei genau gleich gefährlich und koste jedes Jahr gleich viele Opfer ist falsch. Zudem ist die Behauptung, man wisse nicht, wer «an» und wer «wegen» COVID-19 sterbe, ebenso aus der Luft gegriffen. Vergleichen wir Influenza und COVID19: hat man das Gefühl, bei Influenza seien immer alle Patienten «wegen» Influenza gestorben und nie einer «mit»? Sind wir Mediziner im Rahmen der COVID-19-Pandemie nun alle plötzlich so verblödet, dass wir nicht mehr unterscheiden können, ob jemand «mit» oder «wegen» COVID-19 stirbt, wenn diese Patienten eine typische Klinik, typische Laborbefunde und ein typisches Lungen-CT aufweisen? Aha, bei der Diagnose «Influenza» waren natürlich alle immer hellwach und haben immer die ganze Diagnostik bemüht und waren immer sicher: nein, bei der Influenza sterben alle «wegen» und nur bei COVID-19 viele «mit». Zudem: wenn es in einem Jahr in der Schweiz angeblich 1600 Influenza-Tote gab, so sprechen wir über 1600 Tote über 12 Monate – ohne präventive Massnahmen. Bei COVID-19 gab es jedoch 600 Tote in 1(!) Monat und das trotz massiver Gegenmassnahmen. Radikale Gegenmassnahmen können die Verbreitung von COVID-19 um 90% senken – man kann sich also vorstellen, welches Szenario ohne Gegenmassnahmen herrschen würde. Zudem: in einem Monat wurden in der Schweiz >2200 Patienten wegen COVID-19 hospitalisiert und es wurden gleichzeitig bis zu 500 Patienten auf verschiedenen Intensivstationen hospitalisiert. Nie hat jemand von uns auch nur annähernd solche Zustände im Rahmen einer «Influenza» gesehen.

Im Rahmen einer «gewöhnlichen» Influenza erwerben ca. 8% der Betreuenden ebenfalls eine Influenza, aber niemand stirbt daran. Bei COVID-19 werden 25% bis 30% der Betreuenden infiziert und das ist mit einer signifikanten Mortalität verbunden. Dutzende von Ärzten und Pflegepersonen, die COVID-19 Patienten betreut haben, sind an derselben Infektion verstorben. Zudem: suchen Sie einmal die harten Zahlen zu «Influenza»! Sie werden keine finden. Was sie finden, sind Schätzungen: ca. 1000 oder 1600 in der Schweiz; ca. 8000 in Italien; ca. 20’000 in Deutschland. Eine FDA-Studie (US Food and Drug Administration) hat untersucht, wie viele der 48’000 Influenza-Toten eines Jahres in den USA wirklich wegen klassischer Influenza-Pneumonie gestorben sind. Resultat: alle möglichen Krankheitsbilder wurden unter «Tod durch Pneumonie» subsummiert, so z.B. auch die Lungenentzündung eines Neugeborenen, der bei der Geburt Fruchtwasser in die Lunge aspiriert hat. Die Anzahl der effektiv «wegen Influenza verstorbenen» – Patienten sank in dieser Analyse dramatisch weit unter 10’000 ab.

Auch in der Schweiz kennen wir die genaue Anzahl von Patienten nicht, die jährlich an Influenza versterben. Und dies trotz Dutzender massiv überteuerter Datenerfassungs-Systeme; trotz sinnloser Doppel- und Triple-Erfassung der Daten durch Kliniken, Krankenkassen und Gesundheitsdirektionen; trotz eines sinnlosen und überteuerten DRG-Systems, das nur Nonsens produziert. Wir können nicht mal exakt die Zahlen von hospitalisierten Influenza-Patienten pro Monat liefern! Aber Millionen und Milliarden für überteuerte und kontraproduktive IT-Projekte verschwenden.

Aufgrund des aktuellen Wissensstandes kann man insgesamt nicht von einer «gewöhnlichen Grippe» reden. Und deshalb ist die widerstandslose Durchseuchung der Gesellschaft auch kein Rezept. Ein Rezept, notabene, welches Grossbritannien, die Niederlande und Schweden versucht und nacheinander aufgegeben haben.

Aufgrund des aktuellen, mangelhaften Wissensstandes sagen auch die Zahlen des Monats März überhaupt nichts aus. Wir können glimpflich davonkommen, oder eine Katastrophe erleben. Rigide Massnahmen bewirken, dass die Kurve der Kranken flacher verläuft. Es geht aber nicht nur um die Höhe der Kurve, es geht auch um die Fläche unter der Kurve und diese repräsentiert am Ende die Anzahl Toter«Es sterben nur alte und kranke Patienten»

3. Prozentzahlen – Nebendiagnosen – Moral und EUGENIK

Das Alter der in der Schweiz Verstorbenen liegt zwischen 32 und 100 Jahren. Zudem gibt es einige Studien und Berichte, welche zeigen, dass auch Kinder an COVID-19 verstorben sind. Ob wegen COVID-19 nun 0.9% oder 1.2% oder 2.3% versterben ist sekundär und bloss Futter für Statistiker. Relevant ist die absolute Anzahl an Toten, die diese Pandemie verursacht. Sind 5000 Tote weniger schlimm, wenn sie 0.9% aller COVID-19-Träger darstellen? Oder sind 5000 Tote schlimmer, wenn sie 2.3% aller COVID-19-Träger darstellen?

Angeblich beträgt das durchschnittliche Alter der verstorbenen Patienten 83 Jahre, was von vielen – von zu vielen in unserer Gesellschaft – wohl als vernachlässigbar abgetan wird. Die lässige Grosszügigkeit, wenn andere sterben, ist in unserer Gesellschaft nicht zu übersehen. Das andere, das sofortige Geschrei und die immediaten Schuldzuweisungen, wenn es einem selber oder nächste Angehörige trifft, kenne ich zur Genüge.

Alter ist relativ. Der eine US-Präsidentschafts-Kandidat ist heute 73 und der andere ist 77 Jahre alt. Mit guter Lebensqualität ein hohes, selbstbestimmtes Alter zu erreichen, ist ein hohes Gut, für das wir in der Schweiz ins Gesundheitswesen investiert haben. Und es ist das Resultat der Medizin, dass man auch mit drei Nebendiagnosen bei guter Lebensqualität ein hohes Alter erreichen kann. Diese positiven  Errungenschaften unserer Gesellschaft sind nun plötzlich nichts mehr wert, sondern, mehr noch, nur noch eine Last?

Zudem: wenn 1000 über 65-Jährige oder 1000 über 75-Jährige untersucht werden, die bisher meinten, sie seien gesund, haben nach einem gründlichen Check wohl >80% neu 3  „Nebendiagnosen“, besonders wenn es sich um die weit verbreiteten Diagnosen „hoher Blutdruck“ oder „Zucker“ handelt. Gewisse Medien-Artikel und Leser-Kommentare – viel zu viele, meiner Meinung nach – überschreiten bei dieser Diskussion jede Grenze, haben den üblen Geruch der Eugenik und es kommen Erinnerungen an bekannte Zeiten auf. Muss ich wirklich jene Jahreszahlen nennen?

Es erstaunt mich, dass unsere Medien nicht bemüht sind, in dieser Sache einmal Klartext zu schreiben. Es sind ja unsere Medien, welche diese erbärmlichen Meinungsäusserungen in ihren Kommentarspalten publizieren und so stehen lassen. Und ebenso erstaunlich ist, dass die Politiker es nicht für notwendig erachten, einmal eine klare Stellungnahme zu diesem Punkt abzugeben.

4. Diese Pandemie war angekündigt

War die Schweiz minimal auf diese Pandemie vorbereitet? NEIN.

Hat man Vorkehrungen getroffen, als COVID-19 im China ausgebrochen ist? NEIN.

Hat man wissen können, dass eine COVID-19-Pandemie über die Welt ziehen wird?

JA, SIE WAR ANGEKÜNDIGT UND DIE DATEN LAGEN BIS MÄRZ 2019 VOR.

  1. SARS war 2003.

  2. MERS war 2012.

  3. 2013 hat der Deutsche Bundestag Katastrophen-Szenarien diskutiert: wie bereitet sich Deutschland auf Katastrophen, z.B. Überschwemmungen vor. In diesem Rahmen wurde auch diskutiert, wie Deutschland auf eine zukünftigen SARS-Pandemie reagieren muss! Ja, im Jahre 2013 hat der Deutsche Bundestag eine SARS-Corona-Pandemie in Europa und Deutschland simuliert!

  4. In 2015 wurde eine experimentelle Gemeinschaftsarbeit von Forschern aus drei USUniversitäten, Wuhan und einem italienischen Forscher aus Varese, der in Bellinzona ein Labor hat, publiziert. Diese produzierten synthetisch hergestellte Corona-Viren im Labor und infizierten damit Zellkulturen und Mäuse. Grund der Arbeit: man wollte einen Impfstoff respektive monoklonale Antikörper produzieren, um gegen die nächste Corona-Pandemie gewappnet zu sein.

  5. Ende 2014 hatte die US-Regierung Forschung an MERS und SARS wegen der Gefährlichkeit für Menschen für ein Jahr ausgesetzt.

  6. 2015 hielt Bill Gates eine weit beachtete Rede und meinte: die Welt sei auf die nächste Corona-Pandemie unvorbereitet.

  7. 2016 erschien erneut eine Forschungsarbeit, welche mit Corona-Viren hantierte. Das «Summary» dieser Publikation muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, denn es handelt sich hier um die perfekte Beschreibung dessen, was aktuell abläuft:

    “Focusing on SARS-like CoVs, the approach indicates that viruses using the WIV1-CoV spike protein are capable of infecting human alveolar endothelium cultures directly without further spike adaptation. Whereas in vivo data indicate attenuation relative to SARS-CoV, the augmented replication in the presence of human Angiotensin-Converting-Enzyme Typ 2 in vivo suggests that the virus has significant pathogenic potential not captured by current small animal models.”

  8. Im März 2019 wurde in der epidemiologischen Studie von Peng Zhou aus Wuhan gesagt, dass u.a. aufgrund der Biologie der Corona-Viren in den Fledermäusen („bat“) in China vorausgesagt werden kann, dass es in Kürze eine erneute Corona-Pandemie geben werde. Mit Sicherheit! Man könne nur nicht genau sagen wann und wo, aber China werde der hot-spot sein.

Im Prinzip waren das 8 KONKRETE, DEUTLICHE WARNUNGEN INNERHALB VON 17 JAHREN, dass so etwas kommen wird. UND DANN KOMMT ES TATSÄCHLICH! Im Dezember 2019, 9 Monate nach Peng Zhou’s Warnung. Und die Chinesen informieren die WHO nachdem sie 27 Patienten mit atypischer Pneumonie ohne Todesfall gesehen haben. Noch am 31. Dezember beginnt die Reaktionskette von Taiwan, die aus insgesamt 124 Massnahmen bestand – alles bis zum 03. März 2020 publiziert. Und nein, es wurde nicht auf Taiwanesischchinesisch in einer Asiatischen Medizinischen Zeitschrift publiziert, sondern unter Mitarbeit der University of California im „Journal of American Medical Association“. Das Einzige was man tun musste: ab dem 31. Dezember 2019 „bat + coronavirus“ in «PubMed», der U.S. National Library of Medicine, eingeben und alle Daten lagen vor. Und man musste nur die Publikationen bis Ende Februar 2020 verfolgen, um zu wissen, 1) was auf uns zukommt und 2) was zu tun ist.

Uzbekistan hat im Dezember ihre 82 Studenten aus Wuhan zurückbeordert und alle in Quarantäne gesteckt. Am 10. März habe ich von Uzbekistan aus, weil ich nach meiner Meinung gefragt worden war, die Schweiz gewarnt: Parlamentarier, Bundesrat, BAG, Medien.

Und was hat die Schweiz seit der Meldung China’s an die WHO am 31. Dezember 2019 gemacht? Unsere Landesregierung, unser BAG, unsere Experten, unsere Pandemiekommission? Es sieht so aus, dass sie nichts mitbekommen haben. Natürlich, die Situation ist heikel. Sollte man die Bevölkerung informieren? Panik säen? Wie vorgehen? Was man wenigstens hätte tun können: die exzellenten wissenschaftlichen Arbeiten der Chinesischen und Amerikanisch-Chinesischen Wissenschaftler studieren, die in den besten Amerikanischen und Englischen Medizinischen Zeitschriften publiziert worden sind.

Man hätte wenigstens – und das wäre ohne  Information an die Bevölkerung, ohne Panik zu säen, machbar gewesen – man hätte wenigstens das notwendige medizinischen Material auffüllen können. Dass die Schweiz mit ihrem 85-Milliarden-schweren Gesundheitswesen, in welchem eine durchschnittliche 4-köpfige Mittelstandsfamilie die Krankenkassen-Prämien nicht mehr bezahlen kann, nach 14 Tagen lauem Gegenwind an der Wand steht, über zu wenig Masken, zu wenig Desinfektionsmittel und zu wenig medizinischem Material verfügt, ist eine Schande. Was hat die Pandemie-Kommission gemacht? Wenn das keine PUK braucht. Aber keine, die nur mit Politkern besetzt ist. Und so hat sich das behördliche Versagen bis heute fortgesetzt. Keine der von Singapur, Taiwan, Hongkong oder China erfolgreich eingesetzten Massnahmen wurden angewendet. Keine Grenzschliessung, keine Grenzkontrollen, jeder konnte und kann immer noch problemlos in die Schweiz immigrieren ohne überhaupt kontrolliert zu werden (habe ich am 15. März selber so erfahren). Es waren die Österreicher, welche die Grenze zur CH geschlossen haben und es war die italienische Regierung, welche Ende März endlich die SBB gestoppt hat und so weiter und so fort. Und noch heute gibt es keine Quarantäne für Personen, die in die Schweiz einreisen.

Wurde die Forschungsgruppe von Antonio  Lanzavecchia in Bellinzona konsultiert? Antonio Lanzavecchia, der an den oben erwähnten Forschungsarbeiten zu den synthetisch hergestellten Corona-Viren als Co-Autor beteiligt war? Wie kann es sein, dass Hr. Lanzavecchia am 20. März in einem kleinen Tessiner TV-Sender sagt, dass dieses Virus extrem ansteckend und extrem resistent sei – das BAG am 22. März, 2 Tage später also, von einem «Silberstreifen am Horizont» schreibt?

Wie kann es sein, dass eine gemischt Amerikanische-Chinesische Autorenschaft am 06. März im «Science» publiziert, dass nur eine kombinierte Grenzschliessung und eine lokale Ausgangssperre effektiv sind, dann aber die Verbreitung des Virus um 90% einzudämmen vermögen – das BAG und Bundesrat aber mitteilen, dass Grenzschliessungen nichts bringen, «weil sich die meisten sowieso zu Hause anstecken» würden. Das Maskentragen wurde für nicht notwendig befunden – aber nicht, weil dessen Effektivität nicht bewiesen wäre. Nein, weil man schlicht nicht genügend Masken zur Verfügung stellen konnte. Man müsste lachen, wenn es nicht so tragisch wäre: statt die eigenen Versäumnisse einzugestehen und sie immediat zu korrigieren, hat man lieber den Deutschen Botschafter einbestellt. Was hat man ihm gesagt? Dass das 85-Milliarden-schwere Schweizer Gesundheitswesen keine Masken hat, um seine Bürger, Pflegende und Ärzte zu schützen? Die Serie von peinlichen Pannen lässt erweitern: Hände-Desinfektion! Empfohlen, da wirksam und schon zu Zeiten der Spanischen Grippe empfohlen. Haben wir von unseren Entscheidungsträgern je gehört, welche Desinfektionsmittel denn wirksam sind und welche nicht? Haben wir nicht, obwohl am 06. Februar 2020 ein Summary von 22 Arbeiten im «Journal of Hospital Infection» publiziert worden ist, welches schon damals berichtete, dass Corona-Viren bis zu 9 Tage auf Metall, Plastik und Glas überleben können und welche drei Desinfektionsmittel das Virus innert 1(!) Minute killen und welche nicht. Natürlich konnte man das richtige Desinfektionsmittel nicht konkret empfehlen: der Bürger hätte dann gemerkt, dass gar nicht genug davon vorhanden ist, weil das Pandemie-Lager, welches Ethanol (62%iges bis 71%iges Ethanol killt Corona-Viren innerhalb einer Minute) bereithalten sollte, 2018 aufgelöst worden war.

Als die Schwierigkeiten der Pandemie auch für das BAG offensichtlich wurden, liess man verlauten, dass Patienten, welche auf die Intensivstation müssten, sowieso schlechte Chancen hätten. Dies im klaren Widerspruch zu 4 bis dahin publizierten wissenschaftlichen Arbeiten, welche übereinstimmend berichten, dass 38% bis 95% aller Patienten, die auf die Intensivstation mussten, nach Hause entlassen werden konnten. Ich will hier keine weiteren Punkte erwähnen. Klar sind zwei Dinge: die Pandemie wurde seit 2003 mindestens 8x angekündigt. Und nachdem ihr Ausbruch am 31. Dezember 2019 der WHO gemeldet worden war, hätte man 2 Monate Zeit gehabt, die richtigen Daten zu studieren und die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Taiwan zum Beispiel, dessen 124 Massnahmen früh publiziert worden sind, hat am wenigsten Infizierte und Todesfälle und hat keinen «Lock-down» der Wirtschaft durchführen müssen.

Die Massnahmen der Asiatischen Ländern wurden aus politischen und diffusen Gründen als für uns nicht machbar qualifiziert. Einer davon: das Tracking Infizierter. Angeblich unmöglich und das in einer Gesellschaft, die ihre privaten Daten ohne Probleme an iCloud’s und Facebook auslagert. Tracking? Wenn ich jeweils in Tashkent, Peking oder Yangon aus dem Flugzeug steige, dauert es 10 Sekunden und Swisscom heisst mich im jeweiligen Land willkommen. Tracking? Nein gibt es bei uns nicht. Hätte man sich besser orientiert, hätte man gesehen, dass gewisse Länder ohne rigide Massnahmen ausgekommen sind. In der Schweiz hat man allenfalls semi-rigide oder gar keine Massnahmen ergriffen, sondern hat die Bevölkerung im eigentlichen Sinne durchseuchen lassen. Rigidere Massnahmen wurden zu spät ergriffen. Hätte man reagiert, hätte man vielleicht keine solchen Massnahmen ergreifen müssen – und könnte sich die aktuellen Diskussionen um einen «Ausstieg» ersparen. Von den ökonomischen Folgen will ich gar nicht reden.

5. Politische Aspekte – Propaganda

Warum hat man nicht nach Asien geschaut? Es gab genug Zeit. Oder anders: wie hat man nach Asien geschaut? Die Antwort ist klar: arrogant, ignorant und besserwisserisch. Typisch europäisch, oder sollte ich sagen, typisch schweizerisch? Xi Jinping war noch nett, als er meinte, Europa sei wegen seines «Narzissmus» innert kürzester Zeit das weltweite Zentrum der Pandemie geworden. Ich würde hinzufügen: wegen seiner Arroganz, seiner Ignoranz und seines unsäglichen Besserwissertums.

In den Kommentarspalten haben immer mehr Leser unserer Medien bemerkt, dass wir vielleicht aufhören sollten, andere konstant zu belehren, wenn wir selber pro Kopf mit Spanien zusammen die höchste Rate an COVID-19-positiven Leuten und eine der höchsten Sterberaten haben. Europa scheint unbelehrbar. Amerika – zumindest seine Wissenschaftler und ein Teil seiner politischen Journalisten – haben anders reagiert. Amerika hat die exzellenten wissenschaftlichen Arbeiten Chinesischer Autoren anerkannt und sie in ihren besten Medizinischen Zeitschriften publiziert. Selbst im «Foreign Affairs», der wichtigsten Essay-Zeitschrift zur internationalen Politik finden sich Arbeiten mit Überschriften wie: «Was die Welt von China lernen kann»; und «China hat eine App und der Rest der Welt braucht einen Plan»; ferner, dass die «internationale Kooperation der Wissenschaftler ein Beispiel dafür sei», wie man in anderen Bereichen «multipolar zusammenarbeiten müsse» und wie die Welt nun einmal «interconnected» sei. Selbst der oft zitierte Anthony Fauci, Trump’s Chef-Virologie, rühmte im «Foreign Affairs» die Zusammenarbeit mit den Chinesischen Kollegen. Dass die US-Politführung das nicht umgesetzt hat, ist nicht das Problem der Wissenschaftler, welche, inklusive WHO, die exzellente Arbeit der Chinesen vor Ort lobten: «the Chinese know exactly what they do»; «and they are really, really good at it». Dagegen veröffentlichte das Deutsche Magazin DER SPIEGEL einen Artikel mit der Überschrift «Tödliche Arroganz» und damit meinten sie nicht Amerika, sondern das überhebliche Europa.

Was sind die Fakten?

  1. Nach der SARS-Epidemie hat China ein Überwachungsprogramm installiert, welches eine auffällige Häufung atypischer Lungenentzündungen so früh wie möglich melden sollte. Als 4 Patienten in diesem Land mit seiner gigantischen Bevölkerung in kurzer Zeit eine atypische Lungenentzündung zeigten, hat das Überwachungssystem Alarm ausgelöst

  2. Nachdem bei 27 (andere Quellen sagen: 41) Patienten in Wuhan eine atypische Pneumonie diagnostiziert worden war, aber noch kein einziger Todesfall vorlag, hat die chinesische Regierung am 31. Dezember die WHO informiert.

  3. Am 07. Januar 2020 hat dasselbe Team von Peng Zhou, welches im März 2019 vor einer Corona-Pandemie gewarnt hatte, das vollständig definierte Genom des verursachenden Virus an die Welt weitergegeben, damit so schnell wie möglich weltweit Test-Kits entwickelt, eine Impfung erforscht und monoklonale Antikörper hergestellt werden können.

  4. entgegen der Meinung der WHO haben die Chinesen Wuhan im Januar mit einem «travel ban» und einer Ausgangssperre lahmgelegt. Ich erspare es mir, auf die anderen Massnahmen einzugehen, welche in China getroffen worden sind. Nach Meinung internationaler Forschungsteams hat China mit diesen früh und radikal einsetzenden Massnahmen Hunderttausenden von Patienten das Leben gerettet.

  5. am 31. Dezember 2019 hat Taiwan alle Flüge aus Wuhan gestoppt. Die weiteren 124 Massnahmen Taiwans sind im «Journal of American Medical Association» publiziert – rechtzeitig. Man hätte sie nur zur Kenntnis nehmen müssen.

Ohne Zweifel hat die «Command and Control»-Struktur Chinas initial zu einer Unterdrückung relevanter Informationen geführt, umgekehrt jedoch später bei der Begrenzung der Pandemie umso effektiver funktioniert. Der Umgang mit dem Augenarzt Li Wenliang ist schrecklich, passt jedoch zu solchen Ereignissen. Als 1918 der amerikanische Landarzt Loring Miner in Haskell County im US-Bundesstaat Kansas mehrere Patienten mit Grippesymptomen sah, welche an Heftigkeit alles Bisherige übertrafen, hat er sich an den „United States Public Health Service“ gewandt und um Unterstützung gebeten. Diese wurde im verweigert. Drei Patienten von Haskell County wurden zum Militärdienst eingezogen. Albert Gitchell, der Küchenunteroffizier – der Patient NULL – verbreitete das Virus in jener Kompanie, für die er kochte und die nach Europa verlegt wurde. 40 Tage später gab es in Europa 20 Millionen Infizierte und 20’000 Tote. Die 1918 Pandemie hat mehr Tote verursacht, als der 1. Weltkrieg. Die Klagen des Westens über die «Behandlung» von Li Wenliang sind berechtigt, aber triefen von Doppelmoral, weiss man doch, welches Schicksal Whistleblower im Westen mit seinen tollen Werten widerfahren. Auch die US-Regierung versuchte, medizinische Informationen zu filtern, indem die führenden Virologen Amerikas von Trump angewiesen worden waren, jede öffentliche Aussage zuvor mit Mike Pence, dem Vize-Präsidenten, zu besprechen, was im kürzlich erschienen «Science» unter dem Titel «Do us a favor» als «unacceptable» bezeichnet und mit China verglichen worden ist.

Politik ist das eine, die wissenschaftlichen Arbeiten sind das andere. Bis Ende Februar 2020 sind derart viele, exzellente wissenschaftliche Arbeiten mit Chinesischen und gemischt Amerikanisch-Chinesischen Autoren erschienen, dass man hätte wissen können, um was es bei dieser Pandemie geht und was man vorkehren sollte.

Warum hat man alles verpasst?

Weil weder Politiker, noch Medien und die Mehrzahl der Bürger nicht fähig sind, in einer solchen Situation Ideologie, Politik und Medizin zu trennen. Eine virale Pneumonie ist ein medizinisches und kein politisches Problem. Dank des politisch-ideologisch begründeten Ignorierens medizinischer Fakten hat sich Europa in kürzester Zeit selber zum weltweiten Pandemie-Zentrum gemacht – mitten drin die Schweiz mit der zweithöchsten pro Kopf Infektionsrate.

Politik und Medien spielen hier eine besonders unrühmliche Rolle. Statt sich auf das eigene Versagen zu konzentrieren, wird die Bevölkerung durch ein fortgesetztes, dümmliches China- Bashing abgelenkt. Dazu kommen, wie immer, Russland-Bashing und Trump-Bashing. Man muss Trump keinesfalls mögen – aber bis die USA bezüglich der COVID-19-Todesfälle pro Kopf gleichauf mit der Schweiz liegt, müssen sie 30’000 Tote haben.

Wie kann man konstant andere Länder kritisieren, wenn man mit dem zweitteuersten Gesundheitswesen der Welt pro Kopf am zweitmeisten Infizierte hat und weder genügend Masken, noch genügend Desinfektionsmittel, noch genügend medizinisches Material vorweisen kann? Die Schweiz wurde von dieser Pandemie nicht überrascht – nach dem 31. Dezember 2019 hat man mindestens 2 Monate Zeit gehabt, die dringendst notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Und zu diesem Verhalten haben die Medien beileibe genug dazu beigetragen. Die mediale Berichterstattung erschöpft sich im Schönreden, was Bundesrat und BAG veranlassen sowie im Kritisieren anderer Länder. Beispiele von dümmlichem China-Bashing gibt es genug: «die Chinesen sind schuld»! Wer so etwas behauptet, versteht nichts von Biologie und Leben überhaupt. «Alle Pandemien kommen aus China»: die Spanische Grippe war in Tat und Wahrheit eine Amerikanische Grippe, HIV kam aus Afrika, Ebola kam aus Afrika, die Schweinegrippe aus Mexico, die Cholera-Epidemie der 60er-Jahre mit Millionen von Toten aus Indonesien und MERS aus dem Nahen Osten mit Zentrum Saudi-Arabien.

Ja, SARS kam aus China. Aber die Chinesen haben im Gegensatz zu uns gelernt, wie «Foreign Affairs» am 27. März 2020 schreibt: «Past Pandemics Exposed China’s Weakness. The Current One Highlights Its Strengths”. Wenn konstant behauptet wird, die Zahlen, welche China zur COVID-19-Pandemie veröffentlicht, seien sowieso alle beschönigt, was heisst dann das? Heisst das, dass wir deshalb nichts unternehmen müssen? Oder heisst es nicht viel mehr, dass es sich – sind dies Zahlen wirklich beschönigt – um eine noch viel gefährlichere Pandemie handelt, für die wir in Europa Vorkehrungen treffen sollten? So viel zur Logik von sinnlosem, politischem Nach-Geplapper. Mit konstanten Aussagen wie «die Chinesen lügen sowieso nur» «Taiwan kann man nichts glauben»; «Singapur, eine Familien-Diktatur, lügt sowieso» kommt man dieser Pandemie nicht bei. Auch hier agiert die US-Zeitschrift «Foreign Affairs» – bestimmt nicht per se Chinafreundlich – intelligenter, wie man am 24. März 2020 lesen kann: «The U.S. and China Could Cooperate to Defeat the Pandemic. Instead, Their Antagonism Makes Matters Worse”. Und amMärz: “It Takes a World to End a Pandemic. Scientific Cooperation Knows No Boundaries –Fortunately”. Ich kann die Kritik von Lukas Bärfuss nur begrüssen. Insbesondere seine Aussage:

«Warum die entsprechenden Fabriken nicht mehr in Biberist stehen. Sondern in Wuhan. Und ob dieses Allokationsproblem vielleicht nicht nur Zellulose betrifft, sondern auch Information, Bildung, Nahrung und Medikamente».

Diese Aussage trifft ins Schwarze und demaskiert unsere Arroganz und Ignoranz. Reicht es nicht, dass der Westen zu Beginn dieser Pandemie hochnäsig und mit einer gewissen Schadenfreude nach China geschaut hat? Muss jetzt die Unterstützung der westlichen Staaten durch China auch noch bösartig diffamiert werden? China hat bis heute 3.86 Milliarden Masken, 38 Millionen Schutzanzüge, 2.4 Millionen Infrarot-Temperatur-Messgeräte und 16’000 Beatmungsgeräte geliefert. Nicht Chinas angeblicher Weltmachtsanspruch, sondern das Versagen der westlichen Länder hat dazu geführt, dass der Westen buchstäblich am medizinischen Tropf Chinas hängt.

6. Woher stammt dieses Virus?

Auf unserem Globus gibt es ungefähr 6400 Säugetier-Arten. Fledermäuse (bats) und Flughunde machen 20% der Säugetier-Population aus. Es gibt 1000 verschiedene Arten von Fledermäusen und Flughunden. Es sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können, was ihren grossen Bewegungsradius erklärt. Fledermäuse und Flughunde beherbergen eine Unzahl von Viren. Wahrscheinlich sind Fledermäuse und Flughunde in der Entwicklungsgeschichte die Eintrittspforte von Viren in den Stammbaum der Säugetiere gewesen. Es gibt zahlreiche gefährliche Viren, welche von den «Bats» auf den Menschen übergesprungen sind und für viele Krankheiten verantwortlich sind: Masern, Mumps, Tollwut, Marburg-Fieber, Ebola und andere, seltenere, nicht weniger gefährliche Krankheiten. Auch bei anderen Säugetieren haben von «Bats»-stammende Viren immer wieder zu Massensterben in der Schweine-, Hühner- oder Vogelzucht geführt. Dies sind entwicklungs-geschichtlich Jahr-Millionen alte biologische Vorgänge. Auch in der DNA gesunder Menschen finden sich Reste von viraler Gensequenzen, die über die Jahrtausende «eingebaut» worden sind.

SARS und MERS haben die Forschung an Corona-Viren intensiviert, gerade weil man mit einer baldigen, neuen Corona-Viren-Epidemie, respektive Pandemie gerechnet hat. 22 der 38 bekannten und noch lange nicht definitiv klassifizierten Corona-Viren wurden von chinesischen Forschern in extenso studiert, siehe u.a. Peng Zhou’s Publikation zur Epidemiologie der «bat coronaviruses in China» sowie die anderen, oben erwähnten Publikationen Amerikanischer Autoren. Peng Zhou hat im März 2019 eine baldige, neue Corona-Epidemie vorausgesagt und zwar aus folgenden Gründen:

  1. hohe Biodiversität in China;

  2. hohe Anzahl an «Bats» in China;

  3. hohe Bevölkerungsdichte in China = nahes Zusammenleben zwischen Tier und Mensch;

  4. hohe genetische Variabilität der «Bats», d.h. eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich das Genom einzelner Coronavirus-Typen spontan im Rahmen zufälliger Mutationen verändern kann;

  1. hohe aktive genetische Rekombination von Corona-Viren, heisst: Corona-Viren verschiedener Typen tauschen untereinander Genom-Sequenzen aus, die sie dann für denMenschen aggressiver machen können;

Die Tatsache, dass viele dieser Viren – Corona-Viren, aber auch Ebola- oder Marburg-Viren – zusammen in diesen «Bats» hausen und zufällig genetisches Material austauschen können Obwohl nicht bewiesen, hat Peng Zhou auch die Essgewohnheiten der Chinesen angesprochen, welche die Wahrscheinlichkeit einer Transmission dieser Viren von Tieren auf den Mensch erhöhen. Peng Zhou hat in seinem Artikel vom März 2019 vor einer Corona-Pandemie gewarnt. Und er schrieb, dass er nicht sagen könne, wann genau und wo diese Pandemie ausbrechen würde, aber dass China mit grosser Wahrscheinlichkeit ein «hot-spot» sein werde. So viel zur wissenschaftlichen Freiheit notabene. Peng Zhou und seine Gruppe aus Wuhan haben weitergeforscht und sie waren es, die bereits am 7. Januar das Genom von COVID-19 identifiziert und der ganzen Welt mitgeteilt hatten.

Es gibt 4 Theorien, wie dieses Virus auf den Menschen übergesprungen ist:

  1. Das COVID-19-Virus ist von einer Fledermaus direkt auf den Menschen übertragenworden. Dasjenige Virus, welches in Frage kommt und genetisch zu 96% mit demaktuellen «COVID-19» Virus übereinstimmt, kann jedoch von seiner Struktur her nicht andas «Angiotensin-Converting-Enzyme» (ACE) Typ 2 in der Lunge andocken. Das Virusbenötigt aber dieses Enzym, um in die Lungenzellen (und in die Zellen des Herzens, derNiere und des Darmes) eindringen und diese zerstören zu können.

  1. Ein COVID-19-Virus sprang vom Pangolin, einem Malaysischen Säugetier mitSchuppen, welches illegal in China eingeführt worden sei, auf den Menschen und war zunächst nicht Krankheits-erregend. Im Rahmen konsekutiver Mensch-zu-Mensch-Transmissionen hat sich dieses Virus an die beim Menschen vorliegenden Rahmenbedingungen dank Mutation oder Adaptation angepasst und konnte schliesslich an den ACE2-Rezeptor andocken und in die Zellen eindringen, womit die Pandemie «startete».

  1. Es gibt einen Elternstamm dieser beiden COVID-19-Viren, der bis anhin leider unentdeckt blieb.

  1. Es handelt sich um ein synthetisches Labor-Virus, denn genau daran wurde geforscht undder biologische Mechanismus der Krankheits-Erregung ist ja im Detail schon 2016beschrieben worden. Die angefragten Virologen verneinen natürlich diese Möglichkeit,können sie aber auch nicht ausschliessen, nachzulesen im eben publizierten «Nature Medicine»: «The proximal origin of SARS-CoV-2» von Kristian Andersen.

Das Besondere an diesen Tatsachen ist, dass Corona-Viren zusammen mit dem Ebola-Virus auf ein und demselben «Bat» leben können, ohne dass die Fledermaus erkrankt. Einerseits ist dies wissenschaftlich interessant, weil vielleicht Immunmechanismen gefunden werden können, die erklären, wieso diese Fledermäuse nicht erkranken. Diese Immunmechanismen gegenüber Corona-Viren und dem Ebola-Virus könnten Erkenntnisse liefern, die für den Homo sapiens von Bedeutung ist. Anderseits sind diese Tatsachen beunruhigend, weil man sich vorstellen kann, dass sich aufgrund der hohen, aktiven, genetischen Rekombination ein Supervirus bilden kann, welches eine längere Inkubationsdauer als das aktuelle COVID-19-Virus, aber die Letalität des Ebola-Virus aufweist.

SARS wies eine 10%ige Mortalität auf, die Mortalität von MERS betrug 36%. Es war nicht das Verdienst des Homo sapiens, dass SARS und MERS sich nicht so schnell ausgebreitet haben, wie jetzt COVID-19. Das war einfach nur Glück. Die Behauptung, dass ein Virus, welches eine hohe Mortalität habe, sich nicht ausbreiten könne, weil es ja viel zu schnell seinen Wirt umbringe, war zu den Zeiten richtig, als eine „infizierte“ Kamelkarawane von X’ian Richtung Seidenstrasse losgezogen ist und wegen der hohen Mortalität in der nächsten Karawanserei gar nicht mehr ankam. Heute geht das Ruckzuck. Heute sind alle massivst vernetzt. Ein Virus, das in 3 Tagen tötet, geht trotzdem um die Welt. Alle kennen Peking und Shanghai. Ich kenne Wuhan seit 20 Jahren. Keiner meiner Kollegen und Bekannten hat je etwas von Wuhan gehört. Aber hat man gesehen, wie viele Ausländer es in Wuhan – in einer Stadt, die „niemand“ kennt – gab und wie sie blitzschnell in alle Weltregionen verteilt wurden? Das ist die heutige Situation.

7. Was wissen wir? Was wissen wir nicht?

Wir wissen, dass es sich um ein aggressives Virus handelt;

  1. dass die mittlere Inkubationszeit 5 Tage dauert; die maximale Inkubationszeit ist nochnicht klar;

  1. dass asymptomatische COVID-19 Träger andere Personen anstecken können und dass dieses Virus „extrem ansteckend“ und „extrem resistent“ (A. Lanzavecchia) ist;

  1. wir kennen die Risiko-Populationen;

  2. dass es in den letzten 17 Jahren nicht gelungen ist, weder eine Impfung, noch einenmonoklonalen Antikörper gegen Corona-Viren zu entwickeln;

  1. dass es überhaupt noch nie gelungen ist, eine Impfung gegen welches Corona-Virus auchimmer zu entwickeln;

  1. dass auch die so genannte „Grippe-Impfung“ entgegen der gängigen Werbung nur einen minimalen Effekt ausweist.

Was wir nicht wissen:

  1. ob nach durchgemachter Infektion eine Immunität vorliegt, oder nicht. Gewisse Datenweisen darauf hin, dass der Mensch ab dem 15. Tag Immunglobuline der G-Klasse entwickeln kann, welche eine erneute Infektion mit demselben Virus verhindern sollten. Aber es ist noch nicht definitiv bewiesen;

  1. wie lange eine allfällige Immunität schützen könnte;

  2. ob dieses COVID-19-Virus stabil bleibt, oder ob sich im Herbst analog der üblichenGrippe-Welle erneut ein leicht verändertes COVID-19 über ganze Welt verbreitet, gegenwelches keinerlei Immunität vorliegt;

  1. ob uns die höheren Temperaturen des Sommers helfen, weil die Hülle des COVID-19 beihöheren Temperaturen instabil ist. Hier muss erwähnt werden, dass das MERS-Virus sich im Nahen Osten in den Monaten Mai bis Juli verbreitet hatte, als die Temperaturen höher waren, als sie bei uns je sind;

  1. wie lange es dauert, bis eine Population so durchseucht ist, dass der R-Wert <1 ist:Wenn man zu einem bestimmten Zeitpunkt 1 Million Zürcher testet, sollen aktuell angeblich 12% bis 18% COVID-19 positiv sein. Um der Pandemie ihren Pandemie-Charakter zu nehmen, müsse der R-Wert <1 sein, d.h. circa 66% der Bevölkerung müssenmit dem Virus Kontakt gehabt und Immunität entwickelt haben. Niemand weiss, wie lange, wie viele Monate es dauern wird, bis die Durchseuchung, die aktuell 12% bis 18% betragen soll, 66% erreicht hat! Aber man kann davon ausgehen, dass dieWeiterverbreitung des Virus von 12% bis 18% auf 66% der Bevölkerung weiterhinschwerkranke Patienten generieren wird.

  1. wir wissen also nicht, wie lange wir mit diesem Virus zu tun haben werden. Zwei Berichte, welche der Öffentlichkeit nicht zugänglich sein sollten (U.S.- Government COVID Response Plan sowie ein Bericht des Imperial College London) kommen unabhängig voneinander auf eine „Lock-down“-Phase von bis zu 18 Monaten; und wir wissen nicht, ob uns dieses Virus epidemisch/pandemisch oder vielleicht sogar endemisch beschäftigen wird;

  1. wir haben nach wie vor keine anerkannte und breit anwendbare, definierte Therapie; eine solche haben wir auch bei der Influenza nie präsentieren können. Vielleicht sollten Behörden und Medien einmal die Fakten auf den Tisch legen, statt alle zwei Tage Meldungen von einer scheinbar erfolgreichen Impfung, die nicht mehr weit weg ist, zu präsentieren.

8. Was können wir aktuell tun?

Die Frage nach den besten Lösungsansätzen kann ich auch nicht beantworten. Ob die Schweiz die Pandemie überhaupt noch eindämmen kann, oder ob die Durchseuchung der Bevölkerung unbeeinflusst weiterläuft, weil man initial alle Massnahmen verschlafen hat, ist möglich. Wenn dem so ist, kann man nur hoffen, dass wir diese „Politik“ nicht mir zu vielen Toten und Schwerkranken bezahlen. Und dass nicht zu viele Patienten an den Langzeitfolgen einer COVID-19-Infektion leiden, wie z.B. einer „dank“ COVID-19 neu erworbenen Lungenfibrose, einem gestörten Glucose-Metabolismus sowie neu auftretenden kardiovaskulären Erkrankungen. Die langfristigen Konsequenzen einer durchgemachten SARS-Infektion sind bis 12 Jahre nach angeblicher Heilung dokumentiert. Hoffen wir, dass sich COVID-19 anders verhalten wird. Die Aufhebung des „Lock-down“, respektive die Rückkehr zur dem, was wir als normal empfinden, ist sicherlich der Wunsch eines jeden. Welche Schritte bei der Rückkehr zur Normalisierung mit nachteiligen Folgen verbunden sein werden – d.h. mit einem Wieder-Aufflammen der Infektionsrate – kann niemand voraussagen. Jeder Schritt Richtung Lockerung ist im Grunde genommen ein Schritt ins Unbekannte.

Wir können nur sagen, was nicht machbar ist: eine aktive Durchseuchung der nicht-Risiko-Gruppen mit dem COVID-19-Virus ist mit Sicherheit ein absolutes Hirngespinst. Es kann nur Leuten in den Sinn kommen, die keine Ahnung von Biologie, Medizin und Ethik haben:

  1. kommt es mit Sicherheit nicht in Frage, Millionen von Gesunden Mitbürgern absichtlich mit einem aggressiven Virus zu infizieren, von welchem wir eigentlich überhaupt nichts wissen, weder das Ausmass der akuten Schädigung, noch die Langzeitfolgen;

  1. je grösser die Anzahl Viren pro Population, desto grösser die Wahrscheinlichkeit einer zufälligen Mutation, welche das Virus noch aggressiver machen könnte. Also sollten wir sicher nicht aktiv mithelfen, die Anzahl Viren pro Population zu erhöhen.

  1. Je mehr Leute mit COVID-19 infiziert sind, desto wahrscheinlicher wird es, dass sich dieses Virus noch „besser“ an den Menschen adaptiert und noch desaströser wird. Es wird ja angenommen, dass das bereits einmal passiert ist.

  1. bei staatlichen Reserven von angeblich 750 Milliarden, ist es ethisch und moralisch verwerflich, aus blossen wirtschaftlichen Überlegungen Millionen von gesunden Personen zu infizieren.

  1. Die gewollte Infizierung gesunder Leute mit diesem aggressiven Virus würde eines der fundamentalen Prinzipien der gesamten Medizingeschichte aus reinen, kurzfristigen ökonomischen „Bedenken“ akut aushebeln: das Prinzip des „primum nil nocere“. Ich würde mich als Mediziner weigern, an einer derartigen Impfaktion überhaupt teilzunehmen.

Die Bestimmung der COVID-19 IgM- und IgG-Antikörper-Konzentration im Blut geht scheinbar mir der Neutralisierung des COVID-19-Virus einher. Die quantitative und qualitative Diagnostik dieser Antikörper wurde bis jetzt nur in einer kleinen klinischen Studie mit 23 Patienten untersucht. Ob die Massenbestimmung der Antikörper im Blut einen kontrollierten «Lock-down» sicherer machen, indem sich vorerst nur nicht mehr ansteckende und nicht mehr ansteckbare Personen frei bewegen können, kann derzeit nicht beantwortet werden. Ebenso unklar ist, wann diese Methode klinische valide und breit anwendbar sein wird.

9. Zukunft

Diese Pandemie wirft viele politische Fragen auf. „Foreign Affairs“ mit Donald Trump und Anthony Fauci auf dem Cover schreibt am 28. März 2020 dazu: „Plagues Tell Us Who We Are. The Real Lessons of the Pandemic will be Political“. Diese politischen Fragen werden nationaler und internationaler Art sein. Die ersten Fragen werden ganz bestimmt unser  Gesundheitswesen betreffen. Mit einem 85-Milliarden-Budget hat es die Schweiz – was die Anzahl Corona-Patienten pro 1 Million Einwohner betrifft – weltweit auf Rang 2 geschafft. Gratuliere! Was für eine Schande! Grundlegendes und billiges Material fehlt in der Schweiz nach 14 Tagen. Das kommt davon, wenn selbsternannte «Gesundheitspolitiker», «Gesundheits-Ökonomen» und IT-Experten Milliarden in Projekte wie e-Health, elektronische Gesundheitskarte, überteuerte Klinik- Informationssysteme (man frage einmal das Kantonsspital Luzern!), tonnenweise Computer und «Big Data» investieren und so vollkommen zweckentfremdet Milliarden aus dem Gesundheitswesen abziehen. Und Ärzteschaft und FMH sind buchstäblich zu blöd, endlich einmal dagegen aufzustehen. Sie lassen sich lieber jede Woche als Abzocker und Kriminelle titulieren. Die Schweiz muss endlich untersuchen, wie viel von 1 Million Kassengelder noch für medizinische Leistungen aufgewendet werden, welche direkt dem Patienten zugutekommen und wie viel Geld zweckentfremdet in Branchen-fremde Lobby-Vereinigungen fliesst, die sich schamlos am 85-Milliarden-Kuchen bereichern, ohne je einen Patienten gesehen zu haben. Und natürlich braucht es endlich eine adäquate Qualitätskontrolle medizinischer Leistungen. Auf die weiteren Massnahmen im Rahmen der Reorganisation des Schweizerischen Gesundheitswesens möchte ich hier nicht eingehen.

Die internationalen Fragen betreffen vor allem unser Verhältnis zu China und den Asiatischen Ländern überhaupt. Kritische Stellungnahmen: ja. Aber konstantes, dümmliches „Bashing“ anderer Nationen kann kein Rezept dafür sein, globale Probleme gemeinsam anzugehen – von „Lösen“ möchte ich gar nicht sprechen. Anstatt sinnlose Propaganda nachzuplappern, sollte man sich vielleicht einmal mit Autoren auseinandersetzen, die tatsächlich ausgewogen auf hohem Niveau etwas zu sagen haben, so z.B.:

  • Pankaj Mishra: „Aus den Ruinen des Empires“

  • Kishore Mahbubani: „The Asean Miracle. A Catalyst for Peace“

  • „Has the West lost it?“

  • „Can Asians think?“

  • Lee Kuan Yew: „One man’s view of the world“

  • David Engels: „Auf dem Weg ins Imperium“

  • Noam Chomsky: „Wer beherrscht die Welt“

  • Bruno Macàes: „The Dawn of Eurasia“

  • Joseph Stiglitz: „Reich und Arm“

  • Stephan Lessenich: „Neben uns die Sintflut“

  • Parag Khanna: „Unsere asiatische Zukunft“

Lesen heißt noch lange nicht, allen diesen Autoren in allem Recht zu geben. Aber es wäre für den Westen – inklusive die Schweiz – von grossem Wert, Besserwisserei, Ignoranz und Arroganz hier und dort durch Fakten, Verständnis und Kooperation zu ersetzen. Die Alternative besteht ja nur darin, zu versuchen, unsere vermeintlichen Konkurrenten früher oder später in einem Krieg zu eliminieren. Was man von dieser „Lösung“ halten soll, kann jeder selber entscheiden. In diesem Sinne kann man nur darauf hoffen, dass sich die Menschheit eines Besseren besinnt. Träumen ist immer erlaubt.

Die Herausforderungen sind global. Und die nächste Pandemie steht vor der Tür. Und diese wird vielleicht durch ein Super-Virus verursacht werden und ein Ausmass annehmen, das wir uns lieber nicht vorstellen möchten.

Wissenschaft & Forschung · 09. April 2020

COVID-19 – Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten, sowie der aktuellen und zukünftigen politischen Entscheidungen – DAS INTERVIEW

Der Gastkommentar und Veröffentlichung des Manuskriptes „COVID-19 – eine Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten, sowie der aktuellen und zukünftigen politischen Entscheidungen“ von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt vom 7.4.2020 in unserer Zeitung findet international riesige Beachtung und Zustimmung.

In den ersten beiden Tagen wurde der Artikel bereits über 350’000 mal gelesen und tausendfach geteilt. Wir haben deshalb bei Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt nachgefragt und 10 Fragen gestellt, die aktuell im Raum stehen.

Zum Kommentar: COVID-19 – eine Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten, sowie der aktuellen und zukünftigen politischen Entscheidungen (DMZ 07.04.2020)

David Aebischer (D.A.): Was hat der Artikel in der Mittelländischen ausgelöst, welche Reaktionen sind bis zu Ihnen persönlich vorgedrungen?

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt: Seit der Publikation des Manuskriptes bei Ihnen bin ich mit Repliken überflutet worden: per sms, Whatsapp, e-Mail oder per Telefon. Viele haben das Manuskript weiter verteilt. Bis jetzt habe ich keine negativen Kommentare erhalten. Die Grundstimmung der Antworten: ein Aufatmen! Ich bin erstaunt, dass viele Leser schrieben, sie hätten zum ersten Mal erfahren, was eigentlich die Fakten zu dieser Pandemie seien! Und natürlich erwarten die Leute Antworten von unserer Regierung: was wurde nach dem 31. Dezember veranlasst, als die chinesische Regierung die WHO informierte? Und was wurde nach dem 30. Januar veranlasst, als die WHO dieses Ereignis weltweit offiziell als «public health emergency of international concern» bezeichnete und entsprechend warnte? Vielen sind die möglichen ökonomischen Konsequenzen dieses «Lock-down» eine grosse Sorge. Einerseits sind sie mit einer «Öffnung», welche keine Rücksicht auf möglicherweise neue Krankheitsfälle nimmt, nicht einverstanden; auf der anderen Seite fürchten sie finanziellen Konsequenzen.

Überrascht hat mich, dass viele unsere Demokratie in Gefahr sehen – etwas, das wir üblicherweise anderen Ländern vorwerfen, indem wir sie verdächtigen, unter dem Deckmantel der Pandemie-Bekämpfung die Bürgerrechte einzuschränken. Ein Leser wurde konkret, indem er schrieb: «Unsere Regierung hat es geschafft, dass wir uns alle freiwillig einsperren. Nachrichten zur Krise werden jeden Abend von der täglichen Pressekonferenz des Bundes vermittelt. Inhalt: diffus, nicht nachvollziehbar, kein Plan. Unverständlich, dass unsere Presse einerseits unsere Regierung lobt, andererseits konstant andere Länder kritisiert, welche niedrigere Infektionsraten haben als wir! Sollen wir dadurch abgelenkt werden?». Die direkte Demokratie wurde quasi stillgelegt, meinten viele. Meine Antwort war: das war auch ein Zweck meines Vorstosses: unsere direkte Demokratie wieder anzustossen, die ich notabene sehr schätze.

D.A.: Was Sie zu diesem Bericht motiviert hat, haben Sie ausführlich erklärt. Hatten Sie beim Verfassen auch Angst, dass es Ihnen und Ihrem Ruf schaden könnte?

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt: Nein. Ich fühle mich nicht meinem Ruf verpflichtet, sondern den Tatsachen. Zudem bin ich mir bei aller Kritik an der Schweiz bewusst, dass es hier, in meinem Heimatland möglich ist, Dinge zu sagen, nicht populär sein mögen, die aber gesagt werden müssen.

D.A.: Der Artikel wird grösstenteils sehr positiv aufgenommen, nur wenige sprechen in den Kommentaren von Polemik und Emotionen in Ihrem Artikel. Was sagen Sie diesen Menschen?

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt: Ich will hier als einerseits als Arzt und andererseits als Bürger antworten. Wenn ich angesichts der 2000 Hospitalisationen und 600 Toten alleine im Monat März, angesichts so vieler Patienten, die auf der Intensivstation intubiert in Bauchlage um ihr Leben kämpfen, keine Emotionen mehr verspüre, hänge ich meinen Beruf umgehend an den Nagel. Was die Polemik betrifft: mit einem weichgespülten Artikel, welcher nur von «political correctness trieft» und die Fakten verschleiert, erreicht man heutzutage gar nichts. Entweder will ich etwas erreichen und wenn nicht, brauch’ ich auch nichts zu schreiben.

D.A.: Sicherlich sind bei Ihnen bereits Medienhäuser vorstellig geworden, die nun auf Ihren Zug aufspringen wollen?

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt: Natürlich. Aber keine Angst. Ich will – wie es schon der Deutsche Virologe Christian Drosten gesagt hat – kein Medien- oder Fernseh-Professor werden. Dafür hab’ ich meinen Beruf zu gern und der lässt so was zeitlich auch nicht zu. Es war mir wichtig, etwas anzustossen.

D.A.: Die Entwicklung und die täglichen Neuigkeiten rund um Covid-19 sorgen für rasantes Tempo und zwingen laufend auch zu Anpassungen von Aussagen. Gibt es in der Zwischenzeit bereits diverse Punkte aus Ihrem Bericht, die Sie anpassen oder ergänzen müssen?

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt: Die Fragen, die bis anhin noch nicht beantwortet werden konnten, bleiben nach wie vor unklar. Für präzise Angaben ist einfach zu wenig Zeit vergangen. Die Hoffnung bleibt, dass es doch nicht so schlimm kommt, wie viele befürchtet haben. Die dringlichste Fragen sind, wann eine medikamentöse Therapie und eine Impfung zur Verfügung stehen. Was allfällige Medikamente betrifft, gibt es positive Nachrichten aus aller Welt – aber auch das wird Zeit benötigen. Schneller helfen könnte eine Antikörper-Diagnostik, welche zumindest jene identifiziert, die nicht mehr ansteckend sind, aber auch nicht mehr angesteckt werden können.

D.A.: Einige Kommentare vermissen in Ihren Ausführungen auch Tipps im Umgang mit Covid19 und der Situation darum herum. Das Bedürfnis für Empfehlungen war in der Bevölkerung nie grösser. Können Sie da Hand bieten?

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt: Etwas pessimistisch gesagt: da es weder Impfung noch Medikamente gibt, gelten die Empfehlungen zur Zeit der Spanischen Grippe – was natürlich nachdenklich stimmt. Immerhin: mehrere Studien bestätigen übereinstimmend, dass konsequentes Hände-Waschen mit den entsprechenden Desinfektionsmitteln, die eigentlich der Bund endlich nennen sollte, und das Tragen von N95-Masken, medizinischen Masken und auch selbst-gebastelten Masken, wenn sie aus 4 Lagen Papier oder 1 Lage Stoff bestehen, 95% bis 99% der Viren auf Oberflächen oder in der Luft blockieren können. Als wirksame Desinfektionsmittel gelten laut dem «Journal of Hospital Infection» vom 06. Februar 2020:

Alkohol 62%ig bis 71%ig; Hydrogen Peroxid 0.5% oder Natrium Hypochlorite 0.1%. Ich denke, am einfachsten hält man sich an die Alkohol-Desinfektion. Und Abstandhalten gilt nach wie vor, wie zu Zeiten der Spanischen Grippe.

D.A.: Nun hat der Bundesrat mitgeteilt, dass er (wahrscheinlich vor allem unter dem Druck der Wirtschaft) bald Lockerungen des Lockdowns formulieren will. Wie sehen Sie das Vorgehen des Bundesrates in dieser Sache?

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt: Man wird nicht um Lockerungen herumkommen, Wirtschaft hin oder her. Das Leben soll sich ja wieder normalisieren. Bei diesem Entscheid beneide ich den Bundesrat nicht. Mathematische Modelle rechnen damit, dass die Sache bis Ende Mai nicht ohne Risiko bleiben wird. Andere Studien, wie jene vom Imperial College London oder der U.S. Regierung («U.S.-Government COVID-19 Response Plan») reden von bis zu 18 Monaten. Entscheiden kann ich das nicht. Sicher ist: jede Lockerung gleicht etwas einem Schritt ins Ungewisse, weshalb jeder Schritt mit einem exakten Monitoring verbunden sein muss. Entscheidend ist dabei, ob die Anzahl Hospitalisationen nach jedem Schritt wieder zunehmt, oder nicht. Die Anzahl positiv-getesteter Personen, welche keine Symptome haben, hilft uns in dieser Situation nicht weiter.

D.A.: Welche Empfehlungen geben Sie dem Bundesrat aktuell?

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt: Exakte Informationen zu geben: wer muss sich wann mit was desinfizieren! Masken tragen ja oder nein, wann und wo! Formulierung eines klaren zeitlichen Plans: was wird konkret wann gemacht. Der Bundesrat kann sich ruhig vorbehalten, bei bestimmten Umständen, z.B. einer erneuten, plötzlichen, deutlichen Zunahme der Hospitalisationen, den Kurs zu ändern. Aber die Leute, das haben mir die vielen Antworten gezeigt, erwarten einen konkreten Plan. Das Rad muss dabei nicht neu erfunden werden, man muss nur bereit sein, zu beobachten, was andere Länder tun oder getan haben.

D.A.: Wie sehen Sie die Problematik des zivilen Ungehorsams bei doch noch sehr vielen Menschen in der Schweiz?

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt: Ziviler Ungehorsam? Den sehe ich nicht, da sind wir weit davon entfernt. Die Leute werden wissen wollen, was passiert ist. Ob und wenn ja, was versäumt worden ist. Das ist ihr gutes Recht. Und vielleicht werden sie wissen wollen, wie in Zukunft vorgesorgt wird. Drei biologische Jahrhundert-Ereignisse (SARS, MERS, COVID-19) in nur 17 Jahren sollten Anlass genug sein, über die Bücher zu gehen. Die nächste Pandemie ist eine reale Möglichkeit. COVID-19 wurde im März 2019 als «bald» angekündigt und 9 Monate später war sie da.

D.A.: Es kursieren weltweit Theorien und abstruse Verschwörungstheorien rund um Covid-19. Wie ordnen Sie das Phänomen ein und wie gefährlich ist es für die Gesellschaft, wenn laufend mehr und immer wieder solche Theorien verbreitet werden? Ihr persönlicher Rat im Umgang damit?

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt: Eine gute wissenschaftliche Arbeit ist jene von Kristian Andersen im «Nature Medicine», die ich im Manuskript erwähnt hatte. Sie beschreibt, wie diese Pandemie entstanden sein könnte. Diese Forschung muss international weiter vorangetrieben werden, denn neu entstehende Viren können uns echt bedrohen. Zudem muss die Bevölkerung mehr Transparenz einfordern. Es kann nicht sein, dass Forschungsvorhaben laufen, welche die halbe Weltbevölkerung ausrotten können – egal ob rein wissenschaftlich oder nicht – ohne dass diese transparent öffentlich kontrolliert und reguliert werden.

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul R. Vogt

  • Facharzt FMH für allgemeine Chirurgie, Herz- und Gefässchirurgie.

  • Initiator und Präsident von „EurAsia Heart – A Swiss Medical Foundation“ (www.eurasiaheart.com)

  • Schweizerischer, Deutscher, Russischer und Ukrainischer Facharzt für Herz- und Gefässchirurgie

  • Consultant für Herz- und Gefässchirurgie, Hirslanden-Gruppe, Klinik Im Park, Zürich, Schweiz

  • Senior Consultant, Klinik für Herz- und thorakale Gefässchirurgie, UniversitätsSpital Zürich, Schweiz